Zwei Kommissare und ein Hexenmeister

Zum „Tatort" aus Stuttgart vom Sonntag, 29.09.2019: "Hüter der Schwelle"

29.09.2019, 20:15 Uhr

Geisterstunde für die Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare), denn der Privatgelehrte und bekennende „Magier“ Emil Luxinger (André M. Hennicke) kann auch nur höhere Mächte anrufen, um herauszufinden, wer einen jungen Mann masakriert hat. (Foto: SWR)

Ja, das Stuttgarter Hinterland – es ist ein Jammertal. Zumindest, wenn sich auf einem Bergplateau die Leiche eines jungen Mannes findet, dessen Kehle aufgeschlitzt und dessen Leib mit okkultischen Zeichen blutig zerschnitten ist.

Blöd nur, dass mit dem Auftritt der Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz (Richy Müller, Felix Klare) der Jammer kein Ende, sondern erst richtig seinen Anfang nimmt. Denn ihre Ermittlungen im Umfeld des Studenten sind so staubtrocken wir der Fels, auf dem der arme Junge verröcheln musste.

So erleben wir einen bis zur Schablone reduzierten Lannert, der stoisch, ohne mit der Wimper zu zucken und fast in Zeitlupe seine Fragen an Zeugen und Verdächtige stellt (u.a. Victoria Trauttmansdorff, Max Bretschneider). Und – als telegenen Gegenpol – einen sexy Bootz, der sich rumprügeln und gern auch eine Zeugin flachlegen darf (Saskia Rosendahl). Natürlich im Rausch, halbnackt und im Banne höherer Mächte.

Wäre da nicht der „Magier“ Emil Luxinger, zu dem alle Spuren führen, hätte dieser „Tatort“ gar kein Profil. Den gibt zum Glück André M. Hennicke als gleichermaßen entrückten wie klugen Hexenmeister. Genauso unheimlich, wie einst in „Die dunkle Seite des Mondes“ (2015) als Gegenspieler von Moritz Bleibtreu. Nur, dass er diesmal keine Pilze zum Sieden bringt, um ins Nirvana abzuzwitschern, sondern wunde Seelen.

Nun, es ist eine Sache, wenn Autor Michael Glasauer uns eine transzendente Geschichte auftischt, in der der gesunde Menschenverstand mit Weihrauch und allerlei Runen-Klimbim ausgehebelt wird. Eine andere, wenn daraufhin Regisseur Piotr Lewandowski unsere Schwaben-Cops durch ein somnambules Dickicht hetzt, in dem der rote Faden der Handlung genauso schnell abhandenkommt, wie die Logik. Beides funktioniert nicht.

Wir Zuschauer können uns dabei nur wundern oder langweilen. Denn nichts ist echt, der mythische Schnickschnack wirkt nur gekünstelt. Hokuspokus hin, Psychoterror her.

Was für ein Jammer!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD