Vom Glück geküsst, vom Tod überrascht

Zum „Tatort" aus Frankfurt/Main vom Sonntag, 12.05.2019: "Das Monster von Kassel"

12.05.2019, 20:15 Uhr

Nachdem Kollegin Janneke den allseits beliebten Talkmaster Maarten Jansen in die Mangel genommen hat (Barry Atsma), versucht sich nun auch Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) an dem smarten Herren. Hat Jansen etwas mit dem Mord an seinem Stiefsohn zu tun? (Foto: HR)

Nicht nur Frauen schwärmten letztes Jahr, als Schauspiel-Beau Barry Atsma mit Filmpartnerin Paula Beer und der TV-Serie „Bad Banks“ durch unsere Wohnzimmer fegte. Sein unfassbar charismatischer Investmentchef Gabriel Fenger, mit eiskaltem Blick und feinem holländischen Akzent, war eine echte Entdeckung und Atsma im Nu ein Popstar. Der Deutsche Schauspielpreis 2018 als „Bester Schauspieler in einer Hauptrolle“ war da so logisch wie verdient.

Nun gibt Atsma im Frankfurter „Tatort“ erneut einen Sonnyboy. Diesmal einen taffen Fernsehtalkmaster namens Maarten Jansen. Von allen geliebt, gesegnet mit einer wunderbaren Frau (Stephanie Eidt) und deren beiden Söhnen aus erster Ehe, könnte er eigentlich jeden Tag George Clooney aus „From Dusk Till Dawn“ zitieren: „Mir gehts prächtig... die Sonne scheint mir aus dem Arsch“.

Schlimm nur, dass ein böser Killer einen der Stiefsöhne entführt, ermordet und in Einzelteile zerhackt, die er dann akkurat an öffentlichen Plätzen in Kassel und Frankfurt deponiert. Wer konnte Jansen, diesen Liebling des Glücks, nur so hassen und ihm so weh tun?

Die Kommissare Janneke und Brix (Margarita Broich, Wolfram Koch) stehen vor einem Rätsel. Zumindest so lange, bis Jansen ins Kasseler Präsidium kommt und nach den Ermittlungen fragt. Da wissen wir Zuschauer bereits, wer das „Monster“ ist und werden fortan Zeugen eines spektakulären Psychoduells.

Erneut dürfen wir uns an Atsma und der Suggestivkraft seiner Erscheinung berauschen. Und natürlich hat Regisseur Umut Dag seinen Spaß daran, Broich und Koch gegen ihn zu hetzen, um dessen schillernde Fassade mal ordentlich anzukratzen und die Mechanismen der Verführung zu hinterfragen (Buch: Stephan Brüggenthies, Andrea Heller).

Selbst Oscar Wilde hätte wohl seine helle Freude an diesem modernen „Dorian Gray“ und seinen Abgründen. Genau wie wir Zuschauer, die wir eine Lektion in Sachen Moral und Unzucht verpasst bekommen, die wir nicht so schnell vergessen werden.

Umso besser – für die Krimi-Kunst!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD