Verzweiflungstat ohne Verzweiflung

Zum „Tatort" aus Hamburg vom Sonntag, 01.12.2019: "Querschläger"

01.12.2019, 20:15 Uhr

Ein Familienvater (Milan Peschel) riskiert alles und will mit seinem Präzisionsgewehr Geld erpressen. Geld für die Operation seiner todkranken Tochter. (Foto: NDR)

Milan Peschel ist als Schauspieler eine echte Wundertüte. Er kann verzaubern, überraschen, uns vor Lachen brüllen lassen oder zu Tränen rühren (u.a. „Halt auf freier Strecke“, „Klassentreffen 1.0“, „Bornholmer Straße“). Klar, dass ein solcher Formwandler auch im „Tatort“ gern besetzt wird.

„Tatort“-Kenner erinnern sich sicher an Peschels Rolle als interner Schnüffler 2016 in Dortmund („Zahltag“). Unvergessen auch sein Auftritt im Münster-„Tatort“ 2014, wo er einen als Superman getarnten Serienmörder gab („Der Hammer“). Am stärksten berührte er jedoch 2010 in Frankfurt als unbeholfener Vater, der zum Mörder wird, um seinen autistischen Sohn zu retten („Weil sie böse sind“).

Genau an diese Rolle knüpft er nun in Hamburg wieder an. Denn auch Steffen Thewes (Peschel), ein harmloser Finanzbeamter, wird zum Mörder, weil seine Tochter an einer seltenen Blutkrankheit leidet und eine teure Operation in Übersee benötigt.

Das Geld dafür will er von einem Autospediteur erpressen, auf dessen betrügerische Machenschaften er als Steuerfahnder gestoßen ist. Also ballert er mit einem Präzisionsgewehr auf einen seiner LKWs und droht, „beim nächsten Mal“ jemanden zu töten, wenn nicht gezahlt wird.

Dumm nur, dass ein Querschläger unverhofft einen Fahrer trifft, so dass die BKA-Ermittler Thorsten Falke und Julia Grosz antreten müssen (Wotan Wilke Möhring, Franziska Weisz). Sie glauben zunächst an einen Streit im Truckermilieu. Doch nur allzu bald schlägt Thewes wieder zu. Aber kann er mit diesem Irrsinn tatsächlich seine Tochter retten?

Eigentlich ein berührender Fall. Doch leider versäumen es Oke Stielow (Buch) und Stephan Rick (Regie), der Geschichte so viel Empathie einzuhauchen, dass wir wirklich mitfiebern können. Diese Mordraserei eines verzweifelten Vaters flutscht viel zu glatt und ausgeklügelt über unsere Bildschirme.

Da kann sich selbst ein Milan Peschel abstrampeln wie er will, überzeugend wirkt seine Märtyrerrolle letztlich nicht. Wie schade! So können auch wir das Drama nur konstatieren, nicht fühlen.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD