Verzweiflung, Panik, Lüge – Mord

Zum „Tatort" aus Frankfurt am Main vom Sonntag, 01.09.2019: "Falscher Hase"

01.09.2019, 20:15 Uhr

Gucken erst mal dumm aus dem Auto: Weil die Kommissare Brix und Janneke (Wolfram Koch, Margarita Broich) nicht sofort schnallen , dass der Security-Mann von der Solar Technology GmH nicht von einem Profi-Killer umgelegt wurde. Aber von wem dann? (Foto: HR)

Wer erinnert sich nicht an den betörenden Auftritt von Katharina Marie Schubert im Stuttgarter „Tatort“ Mitte Mai? Als „Todesengel“ im Gewand einer Altenpflegerin spielte sie die Herren Richy Müller und Felix Klare glatt an die Wand. Und rettete so eine fade Krimi-Wurst zum Pflegenotstand.

Nun spielt sie erneut eine pflichtbewusste Frau, die aus Verzweiflung ins Morden gerät. Um ihre Firma zu retten, die Solar Technology GmbH, die kurz vor der Pleite steht. Deshalb versuchen sich Biggi Lohmann (Schubert) und ihr Mann Hajo (Peter Trabner) an einem Versicherungsbetrug und inszenieren einen Raubüberfall.

Dumm, dass ihnen dabei zufällig ein Security-Mann dazwischenfunkt (Thorsten Merten). Im Affekt knallt ihn Biggi ab. Bald darauf sind zwei Kleinganoven dran (Godehard Giese, Ronald Kukulies), die ebenfalls bei der Betrugsnummer absahnen wollen. Und immer schlägt die Kugel zwischen den Augen ein.

Deshalb glauben die Kommissare Brix und Janneke (Wolfram Koch, Margarita Broich) zunächst an das Werk eines Profi-Killers. Doch dann dämmert ihnen, dass die schrulligen Lohmanns gar nicht so schrullig sind. Erst recht, als sich echte Gangster einklinken und Biggi endgültig in die Enge treiben. Gibt es bald noch ein Loch zwischen die Augen?

Wäre der Fall nicht so tragisch (Buch: Lars Hubrich), müssten wir uns eigentlich schief lachen über diese Möchtegernverbrecher. Doch Emiliy Atef (Buch, Regie) gelingt es bei aller Tölpelei, diesen „Tatort“ nicht ins Lächerliche kippen zu lassen und uns die schiere Verzweiflung als ein seriöses Mordmotiv zu verkaufen.

Dazu schlägt sie ebenso traurige wie heitere Töne an. Und das Instrument, auf dem sie diese aberwitzigen Melodien spielt, heißt: Katharina Marie Schubert. Erneut beschert sie uns mit großen Augen und steter Unschuldsmiene eine Schussfahrt voller Emotionen und Gewalt. Einen tragikomischen Balanceakt, der auch Koch und Broich maximal fordert.

Gut so, umso fabelhafter ist dieser „Tatort“ anzuschauen!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD