Tod eines rechtsradikalen Popsternchens

Zum „Tatort" aus Göttingen vom Sonntag, 26.04.2020: "National feminin“

26.04.2020, 20:15 Uhr

Die Göttinger Kommissarinnen Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz (Maria Furtwängler, Florence Kasumba) rätseln über den Tod einer rechtsnationalen Feministin. Wurde sie ein Opfer linker Gewalttäter? (Foto: NDR)

Erneut stolpern die Göttinger Kommissarinnen Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz (Maria Furtwängler, Florence Kasumba) in einen Polit-Skandal. War es zuletzt noch die Militärforschung, die mit Piff und Paff und heiklen Thesen ins Visier genommen wurde, geht es diesmal gegen rechte Feministinnen. Also aufgepasst, wieder gibt es was zu lernen!

Zum Beispiel, dass auch die rechtsextreme Szene ihre It-Girls hat. Junge Aktivistinnen mit Pop-Attitüde, die multimedial und auf der Straße genauso clever agieren, wie etwa die Fridays-For-Future-Idole. Nun wird eine von ihnen, Marie Jäger (Emilia Schüle), tot im Göttinger Stadtwald aufgefunden. War hier ein Stalker am Werk, wie Indizien vermuten lassen, oder hatte der Mord doch politische Motive?

Eine brisante Steilvorlage von Daniela Baumgärtl und Florian Oeller (Buch), die Regisseurin Franziska Buch gerne nutzt, um die Mechanismen von Lüge und Hass rechter Extremisten zu entlarven. Hier Marie, der Star der „Jungen Bewegung“, die mit ihrem Blog "National feminin" gegen Islamisierung und Gender-Irrsinn wettert. Da der Rechtsstaat in Gestalt der Kommissarinnen, die bald selbst Opfer von Häme und Hetze werden.

Dazwischen noch ein paar politisch fragwürdige Figuren (u.a. glänzend: Jenny Schily als schräg-lesbische Uni-Dozentin), eine flackernde ménage à trois zwischen Charlotte, Anaïs und deren Mann Nick (Daniel Donskoy) und fertig scheint der Krimi-Lack.

Aber wie das so ist mit dem Fiktionalen, das den Hauch des Investigativen verbreiten will: Es unterhält mehr, als es überzeugt. Denn dramaturgische Konstruktionen sind nun mal keine Argumente oder gar Beweise im Kampf gegen Rechts.

Auch wenn Regisseurin Buch weit von Klischees entfernt ist und ihre Protagonisten durchaus ambivalent anlegt, verfehlt womöglich auch dieser zweite Lindholm-„Tatort“ sein Ziel. Schon, weil das Ende vorhersehbar ist, wie ein AfD-Witz in „extra3“. Das ist zu einfach. Zeigefinger helfen in der Sache ja nicht wirklich.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD