Tödlicher Rausch der Sinne

Zum „Tatort" aus dem Schwarzwald vom Sonntag, 24.02.2020: "Ich hab im Traum geweinet"

23.02.2020, 20:15 Uhr

Noch haben die Kommissare Berg und Tobler ihren Spaß in der Fasnacht-Zeit (Hans-Jochen Wagner, Eva Löbau). Doch bald kommt es nicht nur zwischen ihnen zu intimen Konflikten. (Foto: SWR)

Im Schwarzwald ist die Fasnacht los! Und hier ist das nicht nur ein lustbetontes Ritual mit Suff und Sex und Straßengaudi, sondern zugleich „Reinigung“ und „Bestrafung“. Also wird auch mal geschubst und gepatscht. Und manchmal auch gemordet.

Die Kommissare Berg und Tobler (Hans-Jochen Wagner, Eva Löbau) geraten selbst in diesen Strudel aus Lüsternheit, als sie zum Einsatz gerufen werden. In einem Hotel liegt Philipp Kiehl erschlagen in seinem Blut (Andreas Döhler), der gerade seine Frau Elena (Bibiana Beglau) zu einer Schönheits-OP in eine nahe Klinik begleitet hatte. Ach, was waren die beiden verliebt. Oder doch nicht?

Denn kaum, dass Elena unters Messer geschoben ward, hatte sich Sonnyboy Philipp ausgerechnet mit Romy (Darja Mahotkin), der Krankenschwester des behandelnden Arztes, auf ein Nümmerchen im Hotel verabredet. Jedoch nicht, weil beide urplötzlich in Fasnacht-Wallung geraten wären, sondern weil Philipp früher, als Romy noch als Escort-Dame im fernen Kiel unterwegs war, einer ihrer liebsten Kunden war. Ja, womöglich der Vater ihres Sohnes.

Nun hatte er Romy, die auf’s Land geflüchtet war, um ein seriöses Leben zu führen, zufällig wiederentdeckt. Musste er jetzt sterben, weil er sie erpresst hatte, indem er sie bloßstellen wollte, wenn sie ihm nicht zu Willen war?

Das Eifersuchtsdrama wäre kaum mehr als ein laues Lüftchen im Fasnachtsgewand, wenn es Jan Eichberg (Buch) und Jan Bonny (Regie) nicht in so bestürzende Bilder getaucht hätten. Nackte Fäuste, nackte Körper. Unablässig wird gestritten, geprügelt und gevögelt.

Dass sich Berg und Tobler von diesen Exzessen mitreißen lassen, sich ebenso begehren wie verletzen, irritiert womöglich. Macht aber ihre Figuren für „Tatort“-Verhältnisse ungewohnt nahbar. Ihr Gefühlsrausch soll zeigen, dass auch Beamte nur Menschen aus Fleisch und Blut sind.

Das wird nicht jedem gefallen, denn die eigentlichen Ermittlungen kommen dabei viel zu kurz. Neugierig auf die Fortsetzung macht es allemal.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD