Tödlicher Glaubenskrieg um die Gesundheit

Zum „Tatort" aus Wien vom Sonntag, 25.10.2020: "Krank“

25.10.2020, 20:15 Uhr

Das sieht nicht gut aus für den Wiener BKA-Beamten Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Schlägt diesmal wirklich sein letztes Stündchen? (Foto: ORF)

Ein bisschen irritiert dürfen wir schon sein, wenn Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zu Beginn des neuen Wiener „Tatorts“ sich in einer alten Fabrikhalle gefesselt im Staub wälzt, ein eleganter Herr sich über ihn beugt und eine Pistole auf ihn richtet. Dann fällt ein Schuss.

Ist es wieder soweit? Geht Moritz erneut auf die Bretter – wie schon 2013 in „Unvergessen“ (Kopfschuss) und 2016 in „Die Kunst des Krieges“ (Vergiftung)? Wie endet dieser Schlamassel? Und überhaupt: Wie kam es dazu?

Das erzählt uns Rupert Henning (Buch und Regie) in einer Rückblende, die nun folgt. Denn er lässt uns nicht nur bis zum Schluss zappeln, was nach dem Schuss passiert, sondern deutet mit der brutalen Szene an, dass er am ganz großen Rad drehen will. Denn diesmal geht es um das Allerheiligste schlechthin – um unsere Gesundheit. Genauer: Um das Geschäft mit der Gesundheit und den Glaubenskampf zwischen klassischer und Alternativmedizin. Ein Krieg um Milliarden.

Dafür muss ein krankes Mädchen sterben – ausgerechnet in der Obhut ihres Vaters, einem fanatischen Alternativmediziner (Christian Schiesser). Doch der wird prompt von der Kindesmutter ermordet (Sabine Timoteo), nachdem ein Gericht ihn frei spricht. Als dann noch der oberste Heilsprophet einer weltweit operierenden Firma für Alternativmedizin verröchelt, geraten Moritz und Kollegin Bibi (Adele Neuhauser) bei ihren Ermittlungen schnell selbst ins Visier der Medizin-Mafia. Bis, eben, zum Schuss am Schluss in der Fabrikhalle.

Naja, auch wenn das Ganze etwas wirr und theatralisch wirkt, erinnert uns dieser „Tatort“ immerhin daran, dass hinter den Göttern in Weiß oft genug globale Konzerne und knallharte Geschäftsinteressen stecken. Waffenhandel? Drogengeschäfte? Prostitution? Das war gestern. Heute lebt das Big Business vom „Einklang von Körper, Seele, Natur und Umwelt“. Da kennen auch Gesundheitsapostel kein Pardon.

Sollte uns das zu denken geben – in Zeiten von Corona, Glaubenskriegen und Klimawandel? Unbedingt!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD