Tödliche Angriffe auf Rettungssanitäter

Zum „Tatort" aus Dresden vom Sonntag, 07.02.2021: "Rettung so nah"

07.02.2021, 20:15 Uhr

Dieser Fall erfordert einmal mehr den vollen Einsatz der Kommissarinnen Gorniak (vorn) und Winkler (Karin Hanczewski, Cornelia Gröschel). Hat es doch diesmal ein Mörder auf die Rettungssanitäter in Dresden abgesehen. (Foto: MDR)

Dass Rettungskräfte angepöbelt oder gar angegriffen werden, ist fast schon Alltag. Gern wird dann auf die Verrohung der Gesellschaft verwiesen. Doch der neue „Tatort“ aus Dresden zeigt, wie komplex das Thema sein kann.

Hier wird bei einem Notruf-Einsatz der Sanitäter Tarik Wasir ermordet. Was heißt: ermordet? Er wurde im Rettungswagen mit einer Plastiktüte erstickt, während Kollegin Greta Blaschke (Luise Aschenbrenner) einer Obdachlosen half. Ist das zu glauben?

Die Kommissarinnen Gorniak und Winkler (Karin Hanczewski, Cornelia Gröschel) ermitteln in alle Richtungen. Von einem ausländerfeindlich motivierten Anschlag bis hin zu einer persönlichen Vendetta. Oder war Wasir in seiner Einsatzstelle irgendwelchen krummen Deals mit Betäubungsmitteln auf die Spur gekommen und musste deshalb sterben?

Als zwei weitere Rettungssanitäter der Einsatzstelle Opfer eines Anschlags werden, will Kripo-Chef Schnabel (Martin Brambach) am liebsten den ganzen Laden dicht machen. Denn irgendwer hat es offensichtlich gezielt auf die Helfer in Rot-Gelb abgesehen. Doch das wäre das Aus für den Rettungsdienst in Dresden. Keine Hilfe mehr unter „112“. Gelingt es den Kommissaren, diesen Worst Case zu verhindern?

Christoph Busche (Buch) und Isabel Braak (Regie) berühren mit ihrer Geschichte in der Tat einen wunden Punkt in unserer Gesellschaft. Wachsende Gewalt gegen die, die helfen wollen, ist ein Armutszeugnis unseres Miteinanders.

Doch der heikle Fall zeigt auch, dass die Rettungskräfte keine Engel, sondern Menschen aus Fleisch und Blut sind. Samariter, die ebenso über sich hinaus wachsen wie Fehler machen können. Genau dieser Widerspruch lebt in den sensibel gezeichneten Figuren und macht diesen „Tatort“ so überaus spannend.

Einmal mehr überzeugt dabei das Dresdner Kripo-Trio mit ihrer Empathie und Finesse. Denn einmal mehr sind sie genau dann am stärksten, wenn Ideale an der Wirklichkeit zerschellen. Etwa, wenn die „112“ nicht mehr ohne „110“ auskommt.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD