Showdown mit Leiche im Wohnprojekt „Oase“

Zum „Tatort" aus Stuttgart vom Sonntag, 17.01.2021: "Das ist unser Haus"

17.01.2021, 20:15 Uhr

Die Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) ermitteln zu einem Leichenfund in einem Öko-Wohnprojekt. Anstrengend genug, wenn selbst die WG-Bewohner sich nicht mehr grün sind. Und dann kommt noch das Schwaben-Welsch hinzu. Auch dieser Stuttgarter "Tatort" ist kein Zuckerschlecken für uns Zuschauer. (Foto: SWR)

Dem staubtrockenen „Tatort“-Team aus Stuttgart eine Geschichte anzudichten, die uns Zuschauer rührt, schien zumindest 2020 unmöglich. Oder anders: Die Instinkt-Bullen Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) machen längst keine Laune mehr. Was tun?

Wie wär’s mit Selbstironie? Oder mit einem bewährtem Team hinter der Kamera? Oder am besten mit beidem?

Gedacht, getan. So schickt der SWR nun erneut Dietrich Brüggemann (Buch, Regie) und Daniel Bickermann (Buch) ins Rennen, die – bei Lichte besehen – zuletzt im Stuttgarter „Tatort“ mal für Furore gesorgt haben (2017 mit „Stau“). Auch diesmal spielt ihr Mordfall in einer Extremsituation. Genauer: im Wohnprojekt „Oase Ostfildern“, einer Baugemeinschaft von Idealisten, die ihr Seelenheil im ebenso nachhaltigen wie harmonischen Zusammenleben suchen.

Blöd nur, wenn kurz nach dem Einzug das Fundament ihres Hauses wieder aufgebaggert werden muss, weil der ökologische Dämmstoff nicht abdichtet. Noch blöder, wenn sich dann im Baggerloch eine Frauenleiche findet. Etwa von einer Ex-Bewerberin für die „Oase“?

Was für eine irre Geschichte! Und was für ein genialer Schachzug, dem Stuttgarter Kripo-Team wieder Leben einzuhauchen. Denn schon die ersten Gruppensitzungen und schwäbischen Selbstreflexionen der „Oase“-Bewohner über den Gruselfund und die Folgen für die WG lassen uns schaudern. Oder mit der Zunge schnalzen. Stößt doch die staubtrockene Beamtenkrämerei der Kommissare angesichts des missionarischen Wortschwalls der Kommunarden endlich an ihre Grenzen. Das ist absurd und komisch zugleich!

Vorausgesetzt, diese Selbstironie ist so gewollt. Wenn nicht, wenn also die Figuren, die Sprache oder auch Porsche-Jagden nach Verdächtigen auf dem Fahrrad ernst gemeint sind, tja, dann wird es wirklich eng für Lannert und Bootz. Denn hier scheiden sich die Geister endgültig. Und „Stuttgart 21“ bekommt eine ganz neue Bedeutung: Daumen hoch, Daumen runter – überlebt der hiesige „Tatort“ dieses Jahr?

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD