Russisch Roulette mit dem Weihnachtsmann

Zum „Tatort" aus Münster vom Sonntag, 22.12.2019: "Väterchen Frost"

22.12.2019, 20:15 Uhr

Noch haben Thiel und Boerne gemeinsam mit Staatsanwältin Klemm gut Lachen auf dem Weihnachtsmarkt in Münster (Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Mechthild Großmann). Doch der Spaß vergeht ihnen, als Kollegin Krusenstern entführt wird und ein Ohr von ihr bei den Ermittlern landet. (Foto: WDR)

Von wegen Kuschel-Weihnachten mit den Lieben. Diese hochfliegenden Feiertagspläne platzen sowohl bei KHK Thiel (Axel Prahl) als auch bei Gerichtsmedikus Boerne (Jan Josef Liefers). Stattdessen sorgt ein soeben abgeschlossener Fall für Turbulenzen.

Denn kurz nachdem das Gericht den Deutsch-Russen Kirill Gromow schuldig gesprochen hat, seinen geliebten Freund im Affekt erwürgt zu haben, kidnappt ein Kerl im Weihnachtsmann-Kostüm (Alexander Geršak) Thiels Kollegin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter). Und er droht, ihr Böses anzutun, wenn Thiel nicht den wahren Mörder ausfindig macht. Und zwar „bystro“, „schnell“.

So werden vor Heilig Abend weder Plätzchen gebacken noch Skier angeschnallt, sondern Akten wieder ausgepackt und Verdächtige verhört. Thiel und Boerne steigen da ein, wo Gromow zuletzt aktiv war – im Juwelierladen von Elisabeth Lange (Heike Trinker). Womöglich ging es bei dem Mord ja tatsächlich nicht um enttäuschte Liebe? Vielleicht ging es ja doch eher um Edelsteine und finstere Geschäfte?

Als ein abgeschnittenes Ohr mit einem Ohrring von Nadeshda bei Thiel landet, scheint der Fall eine dramatische Wendung zu nehmen. Bislang galt ihre Entführung durch einen Weihnachtsmann ja noch als schlechter Scherz. Wird aus dem kurios wieder aufgerollten Fall nun doch eine handfeste Tragödie?

Das ist bei der „Tatort“-Truppe in Münster freilich nicht zu befürchten (Buch: Jan Hinter, Stephan Cantz, Regie: Torsten C. Fischer). Im Gegenteil, der inszenierte Glühwein-Spuk hat nur einen Zweck: Er soll eine Moritat aufpeppen, die der Dauer-Spaßguerilla zwar erneut ihr Futter gibt, die aber eher Gähnen macht und von Anfang bis Ende unglaubwürdig ist. So unglaubwürdig, wie der Weihnachtsmann eben.

Blöd- statt Hintersinn! Da bleibt die vielgepriesene tragikomische Balance von Prahl und Liefers ebenso auf der Strecke, wie das „Du“, das sich Thiel und Boerne noch im letzten Fall als ziemlich beste Freunde zugestanden haben.

Was für ein Rückfall! Was für ein Reinfall!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD