Rostocker Seelen-Schmerz für’s Krimi-Herz

Zum „Polizeiruf: 110" aus Rostock vom Sonntag, 14.06.2020: "Der Tag wird kommen“

14.06.2020, 20:15 Uhr

Händchenhalten in der Not. Die Rostocker Kommissare Sascha Bukow und Katrin König haben allerhand Schicksalsschläge einzustecken (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau). (Foto: NDR)

Dass im schönen Rostock, selbst jetzt, nach der „Grenzöffnung“ im Corona-Dilemma, nicht alles eitel Sonne, Strand und Meer ist, daran erinnert uns erneut die „110“-Truppe um Sascha Bukow und Katrin König (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau). Und das fängt schon morgens beim Joggen am Warnow-Ufer an.

Bereits zum zweiten Mal erlebt König dabei einen Alptraum. Nur wird sie diesmal, anders als 2014 in „Liebeswahn“, nicht niedergestochen, sondern von zwei Halbstarken zusammengekloppt. Weil sie einer Frau helfen wollte, die von den Suffkes bedrängt wurde.

Die Jungs entkommen, König landet im Krankenhaus und wenig später – ist die Frau vom Ufer tot. Waren die beiden Kerle ihr doch noch gefolgt?

Es kommt noch dicker für die Kommissare: Serienmörder Guido Wachs (Peter Trabner) bedrängt König wegen ihrer Falschaussage, die ihn einst hinter Gitter gebracht hatte. Und dann will Bukows alter Ganoven-Daddy (Klaus Manchen) noch ein „Riesending“ drehen, bevor er abtritt. Dabei ist Bukow jun. schon verzweifelt genug, denn der Alte hat Krebs. Und nirgends glimmt ein Fünkchen Hoffnung.

Krimi-Herz, was willst du mehr! Florian Oeller (Buch) und Eoin Moore (Regie) haben einen so großen Haufen Probleme aufgetürmt, dass es diesmal aussieht, als sollten unsere Rostocker Kripo-Lieblinge scheitern. Erbarmungslos treiben sie ihre Figuren durch ein Wechselbad der Gefühle. Denn nichts ist so, wie es scheint. Jeder stellt jeden infrage. Es riecht nach Chaos und Vertrauensverlust. Ist diese „Polizeiruf“-Truppe noch zu retten?

Eoin Moore, der nur allzu gern im Norden filmt und die spröde Mentalität der Küstenbewohner immer wieder in aufregende Charaktere zu gießen weiß, Moore liefert auch dieses Mal Krimi-Hochgenuss. Sein Kontrastmittel: die Beziehung zwischen Bukow und König. Die knistert natürlich weiter. Egal, was um sie herum zu Bruch geht. Und wir dürfen, bei allem Blut- und Psycho-Gemetzel, gespannt sein, ob dieses zarte Pflänzchen endlich mal Blüten trägt.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD