Ringelpiez - mit Anfassen, Missbrauch und Mord

Zum „Tatort" aus Dortmund vom Sonntag, 02.02.2020: "Monster"

02.02.2020, 20:15 Uhr

Evelyn Kohnai (Luisa-Céline Gaffron) hat einen mutmaßlichen Kinderschänder abgestochen. Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) wird nicht schlau daraus, warum sie am Tatort blieb und sich verhaften ließ. (Foto: WDR)

Das wird brutal! Und böse! Und unheimlich traurig! Denn einmal mehr geht es um Kindesmissbrauch in einem „Tatort“. Um krankhafte Triebe, zerstörte Kindheitsträume und die verzweifelte Suche nach Hintergründen und Schuldigen.

Mittendrin: Parka-Schlabber-Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) und sein Team. Zieht doch im neusten Dortmunder Mordfall kein Geringerer als Fabers Intimfeind Markus Graf die Fäden (Florian Bartholomäi). Jener Psychopath, der schon Fabers Familie auf dem Gewissen hat und der nun den kauzigen Cop endgültig in den Tod treiben will.

Dazu entführt er das Töchterchen von Fabers Kollegen Pawlak (Rick Okon), um das Leben der Kleinen gegen das des verhassten Bullen einzutauschen. Und er benutzt eine junge Frau, Evelyn Kohnai (Luisa-Céline Gaffron), die als Kind selbst jahrelang missbraucht wurde, und führt sie zu einem ihrer früheren Peiniger. Zum „Dank“, dass sie sich rächen und „das Schwein“ abschlachten darf, soll sie Faber kontaktieren und ihn in den Selbstmord zwingen.

Also bleibt sie nach ihrem Gemetzel, blutverschmiert, wie sie ist, am Tatort und lässt sich festnehmen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und ohne jede Skrupel beginnt.

Was für ein Echo auf die Horrornachrichten, die uns fast täglich erreichen: Entführung, Vergewaltigung, Mord – an Minderjährigen, ja, oft genug Kleinstkindern. Jürgen Werner (Buch) und Torsten C. Fischer (Regie) legen mit ihrem „Tatort“ den Finger in eine Wunde, die nicht aufhören will zu bluten. Weil die Täter immer brutaler werden, weil sich ihr System ständig perfektioniert und weil die Anonymität des Internets kaum einen Zugriff zulässt.

Beeindruckend, wie Fischer seine Figuren gezielt in den Wahnsinn treibt und wie sein Ensemble mit dem psychischen Druck umgeht. Logik, Routine, Dienstvorschriften – nichts davon zählt mehr, wenn es um die Überführung dieser „Monster“ und ihre Hintermänner geht. Aber was zählt dann?

Gewissen vs. Rechtsstaat! Dieser „Tatort“ ist ein einziges Alarmsignal!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD