Raub und Mord im Schatten der Politik

Zum „Tatort" aus Wien vom Sonntag, 02.06.2019: "Glück allein"

02.06.2019, 20:15 Uhr

Schauen bedeppert drein, weil ihnen schon wieder die Chefs bei ihrer Arbeit dazwischenfunken: Die Wiener BKA-Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser). (Foto: ORF)

Seit Smart-Kanzler Sebastian Kurz die Geschicke Österreichs lenkt, kläfft es häufiger aus dem deutschen Blätterwald gen Wien. Wegen der Europapolitik, wegen der Asylpolitik oder überhaupt wegen der Regierung aus Konservativen und Rechtspopulisten, auch wenn diese jetzt mit dem Strache-Skandal am Ende scheint.

Dabei wird gern übersehen, dass die Ösis in der Politik viel stärker auf die handelnden Personen fixiert sind, als auf Parteiprogramme mit ihren ultrakurzen Halbwertzeiten. Wiener Schmäh vs. Realpolitik?

Vielleicht befasst sich ja genau deshalb selbst der Ösi-„Tatort“ so häufig mit Politikern und ihren privaten Machenschaften. Das interessiert die Leute. Selbst wenn es oft kryptisch zugeht.

Wie diesmal im Falle des Spitzenpolitikers Raoul Ladurner (Cornelius Obonya), der populistischen „Reinigungskraft der Nation“, in dessen Haus sich ein Blutbad abgespielt hat. Offenbar lief hier ein Einbruch so schief, dass seine Frau und seine Tochter dabei sterben mussten.

Und dann pfeift auch noch der Innenminister die BKA-Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner zurück (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser), um die Ermittlungen einer Kollegin zu übertragen (Gerti Drassl), die Ladurner angeblich schon länger im Visier hat. Das stinkt doch schon aus der Ferne nach Filz und Politiker-Willkür.

Erst recht aus der Nähe, wie uns Uli Brée (Buch) und Catalina Molina (Regie) nur allzu genüsslich vermitteln. Ein ideales Schlachtfeld für Moritz und Bibi. Denn wenn es um die Privatissima der Mächtigen geht, um Mauscheleien und schräge Vögel im Staatsapparat, müssen wenigstens sie als letzte moralische Instanz dagegenhalten.

Das tun sie auch – mit Instinkt und Chuzpe gegenüber ihren Chefs. Doch ist dieser „Tatort“ diesmal so arg um die Ecke gedacht, werden seine undurchsichtigen Beziehungen so übel strapaziert, dass er kaum überzeugt.

Auch, weil es am Ende „nur“ um ein Familiendrama geht, dessen Bezug zur Politik wie aufgeklebt wirkt. Verstehe einer diese Ösis …


Sonntag, 20.15 Uhr, ARD