Rache ist nicht immer Blutdurst

Zum „Tatort" aus Dresden vom Sonntag, 18.08.2019: "Nemesis"

18.08.2019, 20:15 Uhr

Jungkommissarin Winkler (Cornelia Gröschel, vorn) und Kollegin Gorniak (Karin Hanczewski) müssen den Mord an einem Edel-Gastronom aufklären. Das schmeckt ihnen gar nicht. Denn ihr Anfangsverdacht scheint sich nicht zu bestätigen. (Foto: MDR)

Die schärfste Waffe von Jungkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) ist nicht die Knarre an ihrem Gürtel oder der Haftbefehl in ihrer Hand. Nicht einmal Daddys heiße Drähte aus alten Kripo-Zeiten (Uwe Preuß) braucht sie, um im Job zu überleben. Nein, Leonie muss nur eins tun, um ihre Gegenüber in die Knie zu zwingen – lächeln.

Dieses Lächeln, verbunden mit einem süffisanten Schweigen, haut selbst Kripo-Chef Schnabel um (Martin Brambach). Und der, wir wissen es, markiert ja gern den Brüllaffen, wenn er nicht weiter weiß oder von oben eins auf den Deckel bekommen hat. Nun lässt ihn seine hübsche Novizin einfach baff und mit offenem Mund stehen.

Wie im neusten Fall, in dem ausgerechnet Gourmet-König Joachim Benda – ein guter Bekannter von Schnabel und Liebling der Dresdner High Society – erschossen in seinem Büro aufgefunden wird. Besonders tragisch: der Szenegastronom hinterlässt eine fürsorgliche Gattin (Britta Hammelstein) und zwei minderjährige Jungs (Juri Winkler, Caspar Hoffmann).

Die Indizien führen Winkler und Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) zunächst ins Schutzgeldmilieu, denn Bender wurde erst kürzlich von zwei sinisteren Kerlen in seiner Villa zusammengeschlagen. Vor den Augen der Familie.

Wirklich? Während Schnabel die Aufklärung des Mordes an seinem Gastro-Kumpel schon feiern will, melden Winkler und Gorniak Zweifel an. Wer hätte das goldene Kalb schlachten sollen, an dem alle verdienten? Lag das Mordmotiv womöglich gar nicht bei der Mafia, sondern in Benders Familie?

Mark Monheim (Buch) und Stephan Wagner (Buch, Regie) starten nach dem spektakulären Schlächter-Fall im April (mit Benjamin Sadler als Blut-Zapfer) nun in den Alltag der neuen Dresdner Kripo-Truppe. Und siehe, das Team – ein bisschen wie „The Good, the Bad and the Ugly“ – brilliert auch hier. Denn Wagners ganz unspektakulärer „Tatort“ hat dennoch Spannung, Tiefgang und eine komplexe Story, die obendrein mit einer fetten Überraschung endet. Nur weiter so!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD