Psycho-Krimi mit Gruselfaktor

Zum „Tatort" aus Dresden vom Sonntag, 15.11.2020: "Parasomnia“

15.11.2020, 20:15 Uhr

Das Dresdner Kripo-Trio Gorniak, Winkler und Vogel (Karin Hanczewski, Cornelia Gröschel, Martin Brambach) am Fundort der Leiche. Ein kleines Mädchen hat sie gefunden. Doch das Mädchen glaubt nur an Gespenster. (Foto: MDR)

Und wieder spukt es im „Tatort“. Aber diesmal ist es kein Klimbim, wie letzte Woche in Münster. Diesmal sieht ein Mädchen Gespenster, das nach dem Unfalltod ihrer Mutter an Parasomnie leidet. Einer Art Schlafwandeln mit Traumgesichten zwischen Realität und Illusion.

Talia heißt die Kleine (Hannah Schiller), die mit ihrem Vater Ben (Wanja Mues) in ein heruntergekommenes Haus nahe Dresden zieht, das sie sich peu à peu aufbauen wollen. Es soll ein Neubeginn sein nach der Tragödie.

Doch just beim Einzug entdeckt die 14-Jährige in einem der verwahrlosten Zimmer einen Toten. Und – schlimmer noch – den Mörder, der überrascht vor ihr flieht. Wieder ein Gespenst?

Für die Kommissarinnen Gorniak und Winkler (Karin Hanczewski, Cornelia Gröschel) ist Talias „Aussage“ entscheidend, da sie sonst keinerlei Spuren oder Zeugen finden. Doch Talia flüchtet sich in Spukbilder, die sie gesehen haben will. Und nachts erscheinen ihr tote Frauen, die sie bedrängen.

Gelingt es den Kommissarinnen, das Vertrauen des Mädchens zu gewinnen und ihre Hirngespinste zu entschlüsseln? Zumal ihre Alpträume bald auf eine ganze Mordserie hindeuten. Aber was davon ist real, was fiktiv?

Erneut hat Erol Yesilkaya (Buch) eine irre Geschichte gestrickt, die uns diesmal mit der Parasomnie einem psychologischen Phänomen näherbringt, das oft genug für einen Horror herhalten muss. Und Regisseur Sebastian Marka bedient das Genre auch – mit etlichen Gruselbildern und Schockmomenten.

Doch allemal mit einer Pietät, die der Tragik der Ereignisse angemessen und nicht auf Effekthascherei aus ist. Das funktioniert großartig, da vor allem die junge Hannah Schiller in ihrer Zerrissenheit überzeugt. Genauso wie Hanczewski und Gröschel mit ihrer Empathie für diesen sensiblen Fall. So erleben wir einen echten Nervenfetzer, der noch dazu bis zum Schluss jede Menge Überraschungen bereithält.

Spuk im „Tatort“ geht also doch. Was – nach der Pleite letzte Woche mit Prahl und Liefers – durchaus zu beweisen war.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD