Narziss und Meeresrauschen

Zum „Tatort" aus Kiel vom Sonntag, 15.12.2019: "Borowski und das Haus am Meer"

15.12.2019, 20:15 Uhr

Der kleine Simon läuft Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) mitten im Wald vor das Auto. Verwirrt berichtet er, dass sein Opa tot im Wald läge. (Foto: NDR)

Ohne Meer geht es bei Axel Milberg offenbar nicht. Ob in „Borowski und das Meer“ (2014) oder „Borowski und das Land zwischen den Meeren“ (2018) – das Wort „Meerblick“ bekommt in seinem „Tatort“ eine ganz neue Bedeutung. Denn dieses unendliche Wasser ist eben nicht nur traumhaft anzusehen, sondern oft genug Metapher für die Erhabenheit und die Verderbtheit der Welt.

Der neueste Fall führt Borowski diesmal an ein „Haus am Meer“. An der Fassade steht „Arken“, doch es ist verrammelt. Rätselhaft!

Rückblende, drei Tage. Jetzt erst beginnt dieser „Tatort“ richtig und wir dürfen gespannt sein, was alles passiert, bis es den Kieler Kommissar zu diesem verlassenen Haus treibt.

In einem Küstenwald nahe Kiel läuft Borowski und Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) plötzlich der achtjährige Simon vors Auto. Verwirrt berichtet er, dass sein Großvater tot im Wald liegt. Und dass da noch ein Indianer gewesen sei, der ihn vor einem riesigen Hund gerettet habe. Ein Indianer?

Wenig später findet sich tatsächlich die Leiche von Großvater Heinrich, allerdings sorgsam bestattet im Sand am Strand. Doch weder sein Sohn (Martin Lindow), noch seine dänische Ex-Geliebte (Jannie Faurschou) können sich einen Reim darauf machen. Oder wollen sie nur nicht?

Bald zeigt sich, dass der demente, giftige Alte (Reiner Schöne) einst ein umstrittener Bildungsaktivist war, der in Dänemark eine Schule für sozial benachteiligte Kinder leitete – „Arken“, die Arche. Und dass es dort alles andere als nur harmonisch zuging. War Heinrich nun von seiner Vergangenheit eingeholt worden?

„Tatort“-Vielfilmer Niki Stein (Buch und Regie) serviert uns behutsam, mit epischen Wellenbildern und allerlei mythischem Klimbim, die Biografie eines Mannes, der ebenso Visionär wie Despot war. Und er ergründet die Zerstörungskraft, die ein solcher Mensch unter seinen Mitmenschen entwickeln kann.

Ein feines Fresschen für Borowski, dem Narzissmus ja nicht fremd ist. Und somit auch ein ansehnlicher „Tatort“ für uns Zuschauer. Gute Unterhaltung!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD