Moralkeule gegen Juristen-Nachwuchs

Zum „Tatort" aus Berlin vom Sonntag, 15.03.2020: "Das perfekte Verbrechen“

15.03.2020, 20:15 Uhr

Die Berliner Kommissare Rubin und Karow (Meret Becker, Mark Waschke) grübeln mit Kommissarsanwärterin Anna Feil (Carolyn Genzkow) über den Mord an einer Jura-Studentin. Es gibt keine Beweise und kein Motiv. Alles sieht nach einem perfekten Verbrechen aus. (Foto: RBB)

Ob „Kösener Convent“ oder die „Bubenreuther“ – studentische Burschenschaften sind bis heute noch Mode. Auch wenn nicht mehr allzu oft ein „Schmiss“ die heldische Wange eines Paukanten ziert, Geist und Sprüche sind immer noch höchst elitär.

„Ich kann, weil ich will, was ich muss“, lautet etwa der Kodex des „Colloqiums Conatus“ an der „Berlin School of Law“. Und wer die Privilegien dieses exklusiven Männerclubs genießen und sich so eine exponierte Juristenlaufbahn sichern will, muss einige harte Prüfungen absolvieren. Von einer Prügelei „auf Leben und Tod“ bis zur Examination eines unlösbaren juristischen Problems.

Benjamin Renz (Anton von Lucke), der neue Primaner im Club, hat bereits zwei Mutproben bestanden und schickt sich an, mit der Probatio Nr. 3 das Aufnahmeritual zu meistern. Da wird eine Kommilitonin mitten auf dem Gendarmenmarkt erschossen. Unweit von Ben. Bestand die letzte Prüfung etwa darin, einen Menschen zu töten, wie Bens Freundin Luise vermutet (Paula Kroh)?

Auch die Kommissare Nina Rubin und Robert Karow (Meret Becker, Mark Waschke) sehen hier ein mögliches Motiv. Doch je tiefer sie im Schlamm der Elite-Pauker wühlen, desto undurchsichtiger wird der Fall. Keine Beweise, keine Zeugen – keine Täter. Hatte am Ende der Primus der Hochschule (Peter Kurth) dieses scheinbar „perfekte Verbrechen“ inszeniert?

Was für ein abstruser Fall! Michael Comtesse (Buch) und Brigitte Maria Bertele (Regie) mühen sich in dem Versuch, hinter die Kulissen eines dünkelhaften Zirkels zu schauen und die Moral gut betuchter Jung-Juristen zu hinterfragen. Klar, dass die Schnösel dabei nicht gut wegkommen und wir eine saftige Lektion in Sachen Chancengleichheit verpasst bekommen. Merke: Reich + clever = böse!

Dumm für Becker und Waschke, die mit dieser konstruierten Story nicht an ihre feinsinnigen Auftritte zuletzt anknüpfen können. Sie darf nur große Augen machen, er nur seine spitzen Sprüche. So klingt an diesem „Tatort“-Bundesligaspieltag wieder alles nach Hertha statt nach Union.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD