Im Geheimauftrag der Lächerlichkeit

Zum „Tatort" aus Frankfurt am Main vom Sonntag, 13.09.2020: "Funkstille“

13.09.2020, 20:15 Uhr

Das Frankfurter "Tatort"-Team Janneke und Brix (Margarita Broich, Wolfram Koch) nimmt sich erst einmal mit Kollege Jonas (Isaak Dentler) und Herbergstantchen Fanny (Zazie de Paris) eine Grillzeit, bevor es gegen Spione und finstere Mächte geht. Aber auch das kann diesen Fall nicht retten. (Foto: HR)

Eben noch beschäftigt uns der Fall des vergifteten russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, da schneit uns dieser „Tatort“ ins Haus. Eine krude Geschichte um Geheimdienste in Ost und West. Um Spione und Killerkommandos mitten unter uns. Und um einen Jungen, der zu viel wusste und deshalb tödlich „verunglückte“.

Angeblich sei der 17-jährige Sebastian Schneider in einer alten Fabrikhalle in den Tod gestürzt. Immer wieder kroch der Junge durch solche „Lost Places“, filmte sie mit seinem Handy und stellte die schauerlichen Orte ins Netz. Da kann man schon mal ins Stolpern und Stürzen kommen.

Doch für die Frankfurter Kommissare Janneke und Brix (Margarita Broich, Wolfram Koch) ist bald klar, dass es sich um Mord handelt. Aber wer hatte es auf den Jungen abgesehen? Und warum?

Was nun folgt, ist wohl eines der skurrilsten Dramen der jüngeren „Tatort“-Geschichte. In den Hauptrollen: Sebastians Freundin Emily Fisher (Emilia Bernsdorf) und deren Eltern Gretchen und Raymond (Tessa Mittelstaedt, Kai Scheve), die beide in höchst geheimer Spionage-Mission unterwegs sind. Waren sie etwa für Sebastians Tod verantwortlich?

Das dürfte uns bald egal sein. Denn dieser „Tatort“ von Stephan Brüggenthies, Andrea Heller (Buch) und Stanislaw Mucha (Regie) ist so platt und ideenlos, dass wir uns nur ärgerlich abwenden können. Farblose Figuren, gequälte Dialoge und eine abstruse Handlung, die selbst für einen Johnny English (Rowan Atkinson) im Geheimauftrag ihrer Majestät zu billig wäre, um darüber Witze zu reißen.

Wie auch? Dieser „James Bond“ im „Cobra 11“-Format nimmt sich richtig ernst und versteht sich offenbar als Hilfeschrei in einem Spionagesumpf, der uns eher heute als morgen verschlingt. Einfach lächerlich!

Schade um das Dream-Team Janneke und Brix, das in dieser Verschwörungssoße einfach untergeht. Und schade auch um Tessa Mittelstaedt, die ihren guten Ruf aus alten Kölner „Tatort“-Zeiten mit ihrem Auftritt komplett zerstört. Auweia!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD