Mörderisches Solo für Brasch

Zum „Polizeiruf: 110" aus Magdeburg vom Sonntag, 16.02.2020: "Totes Rennen"

16.02.2020, 20:15 Uhr

Magdeburgs "Polizeiruf"-Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) muss bei ihrem jüngsten Mordfall im Glücksspiel-Milieu mit dem LKA-Ermittler Hannes Kehr (Michael Maertens) zusammenarbeiten. Doch kann sie dem smarten Beamten tatsächlich trauen? (Foto: MDR)

So kurzen Prozess, wie der MDR mit seinem Kommissar Köhler (Matthias Matschke), hat wohl noch kein „110“- oder „Tatort“-Sender gemacht. Na, immerhin darf Kollegin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) jetzt noch schuldbewusst fragen: „Warum laufen uns immer die Kollegen weg?“

Ein smarter Seitenhieb auf den ebenfalls unschönen Abgang von Vorgänger Sylvester Groth 2015, der sich immer wieder wegen zu lascher Drehbücher mit dem MDR zoffte und schließlich absprang.

Was soll‘s, man kann es auch positiv sehen. Denn Brasch, die jetzt mit ihrem Chef Uwe Lemp (Felix Vörtler) allein weiter ermittelt, hat ja zuletzt eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Von der ewig flitzenden Möchtegern-Motorrad-Braut zu einer höchst vielschichtigen Figur. Diese „neue“, ebenso manische wie verletzliche Kommissarin trägt den Magdeburger „Polizeiruf“ auch locker allein.

Selbst wenn es diesmal „nur“ um einen verkorksten Fall von Betrug geht und wir hinter die Kulissen des Pferderennsports, der internationalen Wettmafia und die Machenschaften eines dubiosen LKA-Beamten (Michael Maertens) geführt werden. Ein süffiger, ja, betäubender Manhattan-Cocktail, auf dessen Kirsche – in Gestalt einer Leiche am Elbufer – wir natürlich zuerst beißen dürfen.

Regisseur Torsten C. Fischer, der erst vor zwei Wochen mit dem „Tatort – Monster“ Aufsehen erregte, macht auch diesen Fall zu einem sehr persönlichen für seine Protagonistin (Buch: Stefan Dähnert, Lion H. Lau). Denn wie Faber in Dortmund, lässt er auch Brasch seelisch und körperlich zu Boden gehen. Zwischen perfiden Beziehungskisten, lästigem Kollegen-Clinch und üblen Zeitgenossen (u.a. Martin Semmelrogge).

Das wird von Minute zu Minute spannender und lässt sich prima anschauen. Erst recht im Duett Brasch & Lemp. Denn Vörtler, der endlich aus seiner Nebenrollen-Haut raus darf, verpasst dem Magdeburger „Polizeiruf“ durchaus neuen Charme und Pfiff und eröffnet damit ganz neue Möglichkeiten. Wir dürfen weiter gespannt sein!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD