Mörderischer Schluckauf in einem Doping-Fall

Zum „Tatort" aus Luzern vom Sonntag, 16.06.2019: "Ausgezählt"

16.06.2019, 20:15 Uhr

Reto Flückiger und Liz Ritschard (Stefan Gubser, Delia Mayer) stehen kurz vor einem Knock Out. Die Profi-Boxerin Martina Oberholzer wurde entführt und droht zu verdursten. Denn ihr Entführer ist tot und kein Mensch weiß, wo sie versteckt wird. (Foto: SRF)

Erst haut Profiboxerin Martina Oberholzer (Tabea Buser) ihre Gegnerin im Ring um, worauf diese stirbt. Jedoch nicht an dem Haken, sondern an einem Herzinfarkt, so zugedopt, wie sie ist. Daraufhin bekommt Martina die Flatter und will sofort mit dem Boxen aufhören.

Das kann Manager Sven Brügger freilich nicht zulassen. Also sperrt er sie kurzerhand in einen Luftschutzkeller, damit sie zur Vernunft kommt. Ohne Wasser, ohne Nahrung aber unter Aufsicht einer Videokamera.

Doch dann erschießt Martinas Onkel Heinz (Peter Jecklin) Brügger im Streit, als er wissen will, wo Martina steckt. Ein Dilemma! Denn nun weiß niemand, wo in Luzern die junge Kämpferin eingesperrt ist. Auch die Ermittler Reto Flückiger und Liz Ritschard nicht (Stefan Gubser, Delia Mayer), die hilflos per Video mit ansehen müssen, wie Martina zugrunde geht.

Letzte Hoffnung: Im Knast sitzt Doping-Pate Pius Küng (Pit-Arne Pietz), der womöglich das Kellerversteck kennt. Deshalb will sich Onkel Heinz in seiner U-Haft zu ihm sperren lassen, um hinter das Geheimnis zu gelangen. Aber dürfen die Beamten diese lebensgefährliche Aktion gegen alle Vorschriften billigen? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Der vorletzte Fall für Reto und Liz bringt einmal mehr die Stärken und Schwächen des Schweizer „Tatort“ auf den Punkt. Dafür sorgen Urs Bühler, Michael Herzig (Buch) und Katalin Gödrös (Regie). Deren Geschichte lässt zwar erneut an Dramatik kaum zu wünschen übrig. Doch das Zeitlupentempo der Handlung, die zur Schau gestellte Empathie der Ermittler und der offenbar unverzichtbare Zoff mit den Polizeichefs (u.a. Jean-Pierre Cornu) verhindern, wie so oft, den ungetrübten Krimi-Genuss.

Aber wer weiß, vielleicht ist dieses dramaturgische Wirrwarr ja beabsichtigt. Nur, wenn dies zum Selbstzweck, zur bloßen Methode wird, geht der Geschmack irgendwann flöten. Wie bei einem Bier, das jedes Mal nur anders etikettiert wird, wenn wir es serviert bekommen.

Also, Vorsicht vor dem Schluckauf!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD