Mörderischer Abschied aus Luzern

Zum „Tatort" aus Luzern vom Sonntag, 27.10.2019: "Der Elefant im Raum"

27.10.2019, 20:15 Uhr

Ist das das Ende von Kommissar Flückiger und für den Luzerner "Tatort"? Nein und Ja! Reto darf überleben, der SRF-"Tatort" mit Stefan Gubser und Delia Mayer dagegen nicht. (Foto: SRF)

Wem auch nur ein einziger Fall gelingt, rettet seine ganze „Tatort“-Karriere! So, oder so ähnlich müssen wir Bilanz ziehen, wenn wir auf das Luzerner Team zurückblicken, das jetzt, nach 16 gemeinsamen Fällen, „Bai zamm!“ sagt.

Denn so richtig warm konnten wir seit 2012 kaum werden mit dem Duo Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser, Delia Mayer). Sei es, weil anfangs zu viel herumexperimentiert wurde – mit einer schwammigen Figurenzeichnung, privaten Geheimnissen, die nie aufgeklärt wurden, oder internationalen Gaststars, die mehr Verwirrung als Aufmerksamkeit stifteten.

Oder sei es der permanent wechselnden Gefühlslagen wegen, die mal den einen, mal die andere zweifeln und straucheln ließen. Warum auch immer. Kontinuität, die eine Identifikation mit Reto und Liz ermöglicht hätte, sieht anders aus.

Da macht der letzte Fall keine Ausnahme. Ein Anschlag auf eine noble Dinnergesellschaft auf dem Vierwaldstättersee kostet dem Käpt‘n des Kneipendampfers und einem rebellischen Kantonsrat das Leben. Und er führt Reto und Liz in die Abgründe dunkler Rüstungsgeschäfte, einer verfilzten Staatspolitik und eines schrägen Nachrichtenportals im Internet, das auf Kosten der Opfer Stimmung und Kasse machen will.

Mit viel Aufregung aber wenig Bewegung tasten sich die Ermittler bis zur Überführung des Täters vor. Nichts, was unser Adrenalin in Wallung bringen könnte. Und ein Pyrrhussieg für die Beamten. Denn einmal mehr lassen Felix Benesch, Mats Frey (Buch) und Regisseur Tom Gerber ein desillusioniertes Team zurück, das mit sich selbst und der Welt nicht ins Reine kommt. Nun endgültig.

So bleibt nach sieben Jahren Luzerner „Tatort“ nur ein einziger Fall wirklich in Erinnerung, der das Potenzial von Gubser und Mayer wie ein Komet aufscheinen ließ. Dany Levys „Die Musik stirbt zuletzt“. Jene atemlose, in einer Einstellung abgedrehte Mörderjagd im Luzerner Kongresszentrum. Eine Sternstunde der Krimi-Kunst!

Zumindest dafür danken wir und sagen: „Grüezi – und tschüss!“

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD