Krieg der Vorurteile und Fake News

Zum „Tatort" aus Dortmund vom Sonntag, 21.02.2021: "Heile Welt"

21.02.2021, 20:15 Uhr

Das neue Dortmunder Kripo-Team (Jörg Hartmann, Anna Schudt, Rick Okon, Stefanie Reinsperger) steht nicht nur etwas hilflos im berüchtigten Hochhauskomplex "Gerberzentrum" rum, wo eine junge Frau ermordet wurde, sondern in den sozialen Medien bald auch unter "Nazi"-Verdacht. Nur, weil sie einen junger Syrer verhaftet haben, der am Tatort offenbar Drogen gelagert hatte. Ob das gut geht? ( (Bild: WDR)

Erst letzte Woche arbeitete sich der „Tatort“ Ludwigshafen an einem vermeintlich rechtsradikal motivierten Mord ab und offenbarte dabei die Fallen und Fettnäpfchen, in die selbst rechtschaffene Ermittlerinnen bei der Auseinandersetzung mit der braunen Pest tappen können. Aber das war nur die Vorspeise. Jetzt folgt in Dortmund der Hauptgang.

Hier führt der Mord an einer jungen Frau, deren verkohlte Leiche im Keller eines Hochhauses im berüchtigten „Gerberzentrum“ gefunden wird, ebenfalls direkt in die rechts- und linksradikale Szene. Denn als die Kommissare Faber und Bönisch (Jörg Hartmann, Anna Schudt) einen jungen Syrer einkassieren, weil er in dem Keller vermutlich Drogen deponiert hatte (Shadi Eck), werden sie gefilmt. Und jede Seite schlachtet die Bilder für sich aus.

Die Rechten feiern Bönisch „übelst krass“ als Rächerin, die den Übergriffen islamischer Männer auf deutsche Frauen endlich mal die Stirn bietet. Die Linken entfachen gegen die „fck Nazi-Bitch“ einen viralen Shitstorm, der schließlich zur Beurlaubung von Bönisch führt.

Irgendwann geraten rechter und linker Mob am „Gerberzentrum“ direkt aneinander. Erst fliegen Steine und Mollis, dann Knüppel und Fäuste. Und mittendrin liegt plötzlich bewusstlos – Peter Faber. Fast wird in diesem Polit-Gemetzel die Aufklärung des Mordes zur Nebensache.

Auch Jürgen Werner (Buch) und Sebastian Ko (Regie) plädieren mit ihrer hochbrisanten Story für eine differenzierte Auseinandersetzung im Kampf gegen Rechts. Und sie zeigen, wie existenziell inzwischen die sozialen Medien im Kampf der Ideologien sind und wie schnell Vorurteile und Fake News ganze Karrieren auslöschen können.

Das alles ist erhellend und sehr spannend anzusehen, da das Ensemble einmal mehr in Extremsituationen gerät und sich bewähren muss (u.a. mit Stefanie Reinsperger als Kripo-Neuzugang Rosa Herzog). Dennoch lässt uns dieser „Tatort“ eher ratlos und mit der Frage zurück: Wem und welchen Medien kann man überhaupt noch trauen?

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD