Krawall und Frauenpower am Zürichsee

Zum „Tatort" aus Zürich vom Sonntag, 18.10.2020: "Züri brännt“

18.10.2020, 20:15 Uhr

Schöner Mist: Die neuen Zürcher Kommissarinnen Ott und Grandjean (Carol Schuler, Anne Pieri Zuercher) entdecken im Protokoll eines Polizeieinsatzes aus den 80er Jahren die Namen einiger Bekannter. Auch den des Mörders, der am Zürichsee eine Brandleiche hinterlassen hat? (Foto: SRF)

Alles anders, alles neu – im „Tatort“ aus Zürich. Schon der Vorspann verrät mit seinem Remmidemmi, seiner Punkmusik und seinen verwackelten Super-8-Bildern: bei den SRF-Kriminalen brechen neue Zeiten an. Laut, wild und absolut feminin.

Die Wackelbilder stammen aus den frühen 80ern, als sich bei den sogenannten „Opernhauskrawallen“ linke Anarchisten und knüppelnde Polizisten beharkten. Eine heftige Einstimmung auf die kommenden 88 Minuten.

Gegenwart: Ein Mann, Mitte 60, findet sich halb verbrannt und mit einer Kugel im Kopf an einer alten Industriebrache. Kein fröhlicher Start für die Profilerin Tessa Ott (Carol Schuler), die sich ihren ersten Arbeitstag bei der Kantonspolizei womöglich anders vorgestellt hat. Auch, weil ihr Kollegin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) nicht über den Weg traut. Eine wie Ott, aus einer alteingesessenen Zürcher Familie, hat den Job ja wohl nur wegen ihres Vitamin B bekommen.

Zum Beispiel über den kurz vor der Pensionierung stehenden Kripo-Chef Peter Herzog (Roland Koch). Doch der bekommt zu seinem Abschiedsfest höchst eklige Kurierpost. Den Schädel einer Frau, die vor 40 Jahren zu den Krawallmachern gehörte. Aber wie passte das zu der Brandleiche? Und warum bekam ausgerechnet der Zürcher Oberbulle den Frauenkopf serviert?

Lorenz Langenegger, Stefan Brunner (Buch) und Viviane Andereggen (Regie) haben den Auftakt für das neue Kripo-Duo so komplex angelegt, dass wir uns kaum auf die beiden Frauen einstellen können. Unerfahren, draufgängerisch und vom Kaliber Minichmayr die eine (Ott). Akribisch, selbstbewusst und ständig mit vielsagendem Augenaufschlag die andere (Grandjean). Ein streitbares Doppelgestirn! Und deshalb vielversprechend.

Zumindest räumen Schuler und Pieri endgültig mit dem Mythos von der Schweizer Bergidylle auf, wo man Urlaub macht und, Gott, naja, auch mal ein Mord geschieht. Jetzt fliegen die Fetzen! Und das Alpenland holt – nach dem Fußball – auch beim „Tatort“ mächtig auf.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD