Horror-Fall beim Debüt in München

Zum „Polizeiruf: 110" aus München vom Sonntag, 15.09.2019: "Der Ort, von dem die Wolken kommen"

15.09.2019, 20:15 Uhr

Bei ihrem ersten Fall muss Münchens "Polizeiruf"-Kommissarin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff (Verena Altenberger) tief in die Seele des jungen Polou hineinkämpfen (Dennis Doms), um dessen grausiges Schicksal zu ergründen. (Foto: BR)

Dieses Gesicht, diesen Jungen werden wir so schnell wohl nicht vergessen. Erst recht nicht sein Schicksal, das zur ersten Bewährungsprobe für Münchens neue „Polizeiruf“-Kommissarin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff wird (Verena Altenberger).

Polou, wie er sich nennt (Dennis Doms), wird am Ufer der Isar aufgegriffen. Völlig verwahrlost, stinkend, ausgehungert und mit diversen Wunden versehen. Alles deutet auf ein jahrelanges Martyrium in irgendeinem Kerkerloch hin. Wer konnte einem Kind so etwas antun?

Das große Problem für Bessie und ihre Kollegen Cem (Cem Lukas Yeginer) und Maurer (Andreas Bittl) ist – Polou spricht nicht. So ist es unmöglich herauszufinden, woher er kommt und was ihm widerfahren ist. Letzte Hoffnung der Psychologin Dr. Kutay (Katja Bürkle): Über Hypnose an Polous Unterbewusstsein und mögliche Hinweise zu gelangen.

Doch als sich für Bessie gerade ein Türchen zur Psyche des Jungen öffnen will, taucht eine geheimnisvolle Frau im Krankenhaus auf, um Polou zu töten (Lucy Wirth). Steckt etwa noch mehr als Kindesmisshandlung in diesem mysteriösen Fall? Ist alles noch viel schlimmer, als wir vermuten müssen?

Was für eine Horrorgeschichte (Buch: Thomas Korte, Michael Proehl)! Die Bilder und der Kampf um das Leben des Jungen sind kaum zu ertragen. Und Regisseur Florian Schwarz denkt gar nicht daran, uns Zuschauer zu schonen. Beinahe rücksichtslos führt er auch Verena Altenberger gleich bei ihrem allerersten „Polizeiruf“ an die Grenzen des Zumutbaren.

Aber die junge Österreicherin („Die beste aller Welten“) hält stand und brilliert mit unglaublich wandelbarem Spiel. Als naive, als einfühlsame aber auch zupackende Polizistin, die noch am Anfang ihrer Laufbahn steht.

Eine echte Entdeckung für die „110“-Reihe, die uns den Abschied von Matthias Brandt in diesem Jahr durchaus verschmerzen lässt. Schauen wir, wie dieses Experimental-Fernsehen aus München weitergeht. Die genetischen Anlagen sehen jedenfalls vielversprechend aus.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD