Hokuspokus zwischen den Welten

Zum „Tatort" aus Münster vom Sonntag, 08.11.2020: "Limbus“

08.11.2020, 20:15 Uhr

Gerichtsmedikus Boerne (Jan Josef Liefers) im "Limbus", in der Vorhölle. Und wen trifft er da? Nein, nicht Kommissar Thiel, sondern den Sekretär des Teufels (Axel Prahl). Na, wer darüber lachen kann ... (Foto: WDR)

Was Ulrich Tukur kann, das können wir auch: Zeit und Realität verdrehen, Sehgewohnheiten brechen, TV-Preise abräumen. Mystery und Nonsens wie zuletzt in den „Tatorten“ „Murot und das Murmeltier“ oder „Angriff auf Wache 08“? Kein Problem!

So dachten offenbar Magnus Vattrodt (Buch) und Max Zähle (Regie) und haben für den neuen „Tatort“ aus Münster was ganz was Feines ausgeheckt. Eine Geschichte zwischen Leben und Tod, eine Wanderung zwischen den Welten – im „Limbus“. Also in der „Vorhölle“, wie bei Wikipedia nachzulesen ist. Und überhaupt: Mit den Spaßvögeln Thiel und Boerne vorneweg (Axel Prahl, Jan Josef Liefers), was soll da beim nächsten Grimme-Preis noch schief gehen?

Allerhand, wie wir sehen werden!

Nach einer kleinen Feier im Kollegenkreis wird Boerne auf dem Heimweg von einem Mann angerempelt. Kurz darauf kracht er mit seinem Auto in eine Mauer. Und wacht erst am nächsten Morgen wieder auf. An einem Feld. Sein Wagen, völlig zertrümmert, liegt auf dem Dach am Straßenrand. Was war passiert? Lebte er noch?

Naja, für uns Zuschauer schon – zwischen den Welten, eben. Als Limbus-Boerne, der alsbald vom „Geschäftsführer“ der Hölle abgeholt werden soll. Verzweifelt versucht er bis dahin, dem Unfall und dem mysteriösen Rempler-Mann auf die Schliche zu kommen. Aber niemand sieht ihn, hört ihn, versteht ihn im realen Leben.

Für seine Kollegen ist der echte Boerne schwer verletzt, liegt im Koma und kämpft im Krankenhaus um jede Minute. Und der böse Rempler-Mann (Hans Löw) treibt als Boerne-Vertreter Dr. Jacoby in aller Ruhe sein Unwesen. Kann Thiel, dessen Bauchgefühl ihm flüstert, dass mit dem Unfall etwas nicht stimmte, diesen mysteriösen Fall knacken?

Das ist bald nicht mehr die Frage. Denn das Switchen zwischen realer und Scheinwelt ist irgendwann nur noch albern. Wirre Handlung, verkrampfte Gags, peinlicher Spuk. So sehr sich Prahl und Liefers auch mühen. Was lehrt uns das?

Nicht alle Geister werden Meister. Lobet den Herrn – das Original namens Tukur!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD