Geiseldrama aus Verzweiflung

Zum „Tatort" aus Dresden vom Sonntag, 05.04.2020: "Die Zeit ist gekommen“

04.04.2020, 20:15 Uhr

Schwierige Entscheidung für die Dresdner Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski): Soll sie einem Geiselnehmer unbewaffnet gegenüber treten? (Foto: MDR)

Gerade, als Ex-Knacki Louis Bürger (Max Riemelt) mit seiner Frau Anna (Katia Fellin) den Neustart ohne Partys, Drogen und sinnlose Kloppereien wagen will, wird sein Wohnungsnachbar vor dem Haus erschlagen aufgefunden. Ausgerechnet ein Polizist!

Klar, dass die Dresdner Kommissarinnen Gorniak und Winkler (Karin Hanczewski, Cornelia Gröschel) bald vor seiner Tür stehen und ihn einkassieren. Denn als Tatwaffe wurde ein Baseballschläger ausgemacht, wie ihn Söhnchen Tim besitzt.

Louis beteuert seine Unschuld. Denn in den Knast will er nie wieder. Also plant er mit Anna seine Flucht, die auch gelingt. Jetzt nur noch Timmi aus dem Heim abholen und dann ab nach Kroatien. So der Plan.

Doch Gorniak und Winkler fangen die Familie in dem entlegenen Jugendamtshof ab. Kurzerhand verschanzen sich Louis und Anna mit Tim im Haus und nehmen die Heimleiterin und einen Heimjungen als Geisel. Ein gefährliches Patt entsteht.

Louis, verzweifelt und bewaffnet, ist zu allem entschlossen. Können Gorniak, Winkler und Kommissariatschef Schnabel (Martin Brambach) die Eskalation noch verhindern? Wieso gibt Louis selbst beim Anmarsch des SEK nicht auf? War er am Ende doch unschuldig?

Wir erleben ja nicht die erste Geiselnahme in einem „Tatort“, denn das Sujet ist einfach zu verlockend. Extremsituationen, jähe Wendungen, menschliche Tragödien.

Das ist in der Geschichte von Stefanie Veith, Michael Comtesse (Buch) und Stephan Lacant (Regie) nicht anders, so dass wir von Anfang an mitfiebern können. Sowohl mit der Familie als auch mit den Polizisten. Denn für beide Seiten geht es bis zum Äußersten, ja, um ihr Leben. Was natürlich hautnah und authentisch gespielt werden muss, wenn wir der kollabierenden Szenerie glauben und folgen sollen.

Zum Glück wird es das. An allen Fronten! Wir sehen das schräge Kripo-Trio mutig und empathisch, das Familien-Trio beherzt und unbeugsam. So können wir die Dramatik dieses Überlebenskampfes nicht nur beobachten, sondern beinahe fühlen. Ein echtes Erlebnis!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD