Freiwild in Uniform

Zum „Tatort" aus Köln vom Pfingstmontag, 10.06.2019: "Kaputt"

10.06.2019, 20:15 Uhr

Die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) sind schockiert: Vor ihnen liegt ein toter Kollege, der bei einem Routineeinsatz wegen Ruhestörung zu Tode geprügelt wurde. (Foto: WDR)

Die Statistik ist alarmierend. Polizei und Hilfskräfte werden immer öfter attackiert. 2017 wurden allein in Deutschland 4.527 Gewaltdelikte gegen Polizisten registriert.

Ein bundesweites Phänomen, das vor allem von sinkender Akzeptanz des Staates kündet und das von der vergleichsweise harmlosen Rempelei bei einer Demo bis zum "Bullenklatschen" reicht. Klar, dass dazu ein „Tatort“ fällig war.

Auserkoren für das heikle Thema wurden die Kölner Kripo-Lieblinge Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär). Wohl in der Hoffnung, so das Problem politisch korrekt und mit der nötigen Unaufgeregtheit angehen zu können.

Doch selbst bei Max und Freddy liegen rasch die Nerven blank, als eine Streife wegen Ruhestörung zu einer Privatparty gerufen und dort brutal attackiert wird. Am Ende liegt Polizist Frank Schneider tot in seinem Blut und Kollegin Melanie Sommer (Anna Brüggemann) ohnmächtig vor der Terrasse der Partybude.

Schlimm genug, Politik und Presse schäumen. Aber der Horror geht noch weiter. Während Max und Freddy in alle Richtungen ermitteln – so auch in der Polizeiwache der Opfer (u.a. Götz Schubert, Maximilian Simonischek), werden die Brutalos von der Party, drei junge Junkies, einer nach dem anderen umgelegt.

Räumte jetzt jemand in der Szene auf, um die Wogen mit der Polizei zu glätten oder war hier gar ein Beamter als Rächer unterwegs?

Rainer Butt (Buch) und Christine Hartmann (Buch, Regie) präsentieren uns diesen Fall als emotionales Schleudertrauma. Hin- und hergerissen zwischen Heldenmut und Unfähigkeit der Gesetzeshüter, fällt es ihnen jedoch schwer, objektiv zu bleiben.

Ihre Sympathie gilt den Beamten, die, von der Politik und von ihren Vorgesetzten oft genug im Stich gelassen, „immer die Dummen“ sind. Weil sie nicht dürfen, wie sie müssten, und nicht können, wie sie wollen.

Schade nur, dass dieser „Tatort“ so kaum mehr ist, als ein Klagelied, das in sattem Moll von Vorschriften und der Realität singt, die längst nicht mehr zusammenpassen. Ob das auch die Politik rührt?

Pfingstmontag, 20.15 Uhr, ARD