Feinster Horror für Dresdner Debütanten

Zum „Tatort" aus Dresden vom Sonntag, 28.04.2019: "Das Nest"

28.04.2019, 20:15 Uhr

Oberkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel, li.) ist neu im Dresdner Team und muss gleich richtig ran. Denn Kollegin Gorniak (Karin Hanczewski) wurde im Einsatz angeschossen und ist erst einmal in die Asservatenkammer abgetaucht. (Foto: MDR)

Für die Neue im Dresdner „Tatort“, Oberkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel), kommt es hammerhart. Denn weder hat sie Zeit, bei einem Käffchen die Kollegen Gorniak und Schnabel zu beschnuppern (Karin Hanczewski, Martin Brambach), noch kann sie bei einem Routine-Mordfall erst mal auf Tuchfühlung zu ihrer neuen Umgebung gehen.

Nein, in einem abgelegenen Waldstück, in einem düsteren, ausgestorbenen Hotel muss ausgerechnet ein Serienmörder sein Unwesen treiben. Mit Gummischürze, Handschuhen und jeder Menge Schnippel- und Sägewerkzeugen. Hier lässt er Menschen ausbluten und drapiert sie hübsch an Speisetafeln oder auf Canapés. Gunther von Hagens lässt schaurig grüßen.

Und gerade, als die Beamten zugreifen wollen, entwischt der Killer und sticht auf der Flucht Karin Gorniak nieder. Die landet auf der Intensivstation, später in der Asservatenkammer, so dass Leonie den Fall plötzlich allein an der Backe hat. Und der Mörder ist noch lange nicht fertig mit seiner Arbeit …

Igitt, da fahren Erol Yesilkaya (Buch) und Alex Eslam (Regie) wirklich großes Horror-Geschütz auf, um die zarte Jungkommissarin in ihre Rolle einzuführen. Mit einem Mordfall, dessen Schockeffekte nur allzu gern an Schlachteplatten wie „Saw“ und „Hostel“ erinnern. Der aber allemal subtil genug ist, dass wir Zuschauer nicht nur Gänsehaut und Adrenalin aktivieren müssen, um das Ganze durchzustehen, sondern auch unsere grauen Zellen. Denn die obskure Story schlägt immer neue Kapriolen.

Bald ist klar, wer der böse Bube ist, so dass wir uns ganz auf die Protagonistinnen konzentrieren können. Zwischen Mut und Inspiration, Schuld und Versagen. Selten musste sich ein neues „Tatort“-Team so hart zusammenraufen.

So gerät Eslams „Tatort“-Debüt zu einem perfekten Psycho-Thriller. Fast schon zu perfekt, um wahr zu sein. Zum Glück hat es dann immer noch einen Martin Brambach, der mit seinen Verbalgrätschen diesen Edel-Horror wieder erdet.

Jawoll, so kann es in Dresden weiter gehen!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD