Feinste Krimi-Strickware aus Weimar

Zum „Tatort" aus Weimar vom Pfingst-Montag, 01.06.2020: "Der letzte Schrey“

01.06.2020, 20:15 Uhr

Die Weimarer Kommissare Lessing und Dorn (Christian Ulmen, Nora Tschirner) haben wieder mal ihren Spaß. Erst mit einer Entführung und ein paar unverhofften Leichen. Dann aber auch mit Kollege "Lupo" (Arndt Schwering-Sohnrey), der eigentlich mit Chefchen in den Urlaub will und sich schon mal strandfertig gemacht hat . (Foto: MDR)

Dümmer kann sich die Olsenbande auch nicht anstellen. Mit Fleischklopfer und Colt entern Freya und Zecke (Sarah Viktoria Frick, Christopher Vantis) die Villa von Strickfabrikant Schrey (Jörg Schüttauf). Doch was zunächst wie ein Raubüberfall aussieht, entpuppt sich bald als Geiselnahme. Marlies Schrey (Nina Petri) wird aus Versehen umgelegt, der olle Gerd in einem klapprigen Chevrolet-Transporter entführt.

Zwei Millionen Euro will das Gaunerpaar erpressen – von Schrey junior, Maik (Julius Nitschkoff). Eine echte Herausforderung für unsere Weimarer Spaß-Guerilla, mit Lessing und Dorn vorneweg (Christian Ulmen, Nora Tschirner) und mit Kripo-Chef Stich und Polizei-Faktotum „Lupo“ im Schlepp (Thorsten Merten, Arndt Schwering-Sohnrey). Denn bei der Verfolgung der Kidnapper geht so ziemlich alles schief. Bald häufen sich die Unfälle. Und die Leichen. Und irgendwann weiß keiner mehr, wer eigentlich wen und warum verfolgt.

Natürlich hat diese skurrile Verbrecherjagd erneut Murmel Clausen „gestrickt“, von dem bisher neun der zehn Weimarer Mordgeschichten stammen. Und natürlich ging es für „Tatort“-Debütantin Mira Thiel („Gut zu Vögeln“) nur darum, nicht die Kontrolle über die Handlung mit ihren Tricks und jähen Wendungen zu verlieren. Und über die Balance zwischen Tragik und Komik. Denn bekanntlich kann ja zu viel Klamauk zum Selbstzweck werden, wie wir aus Münster wissen.

Doch Mira Thiel hat alles im Griff: Das verrückte Kripo-Team, die schrägen Galgenvögel, sogar den wunderbar schäumenden Schüttauf und den ganzen Rest der Komparserie. Vermutlich haben sich alle beim Dreh eingepinkelt vor Lachen.

Dieser Spaß, diese Lust am Experimentieren mit Grips und Witz überträgt sich schnell auf uns Zuschauer. Und so erleben wir eine perfekte Räuberpistole, die keine Wünsche für einen vergnüglichen Krimi-Abend offen lässt. Bis auf einen: Mehr Sorgfalt bei den Sprüchen von Kira Dorn, die mittlerweile eher affig als witzig sind. Das hat ein Running Gag nicht verdient.

Pfingst-Montag, 20.15 Uhr, ARD