Ein fremder Freund in Pummelsdorf

Zum „Polizeiruf: 110" aus Magdeburg vom Sonntag, 11.08.2019: "Mörderische Dorfgemeinschaft"

11.08.2019, 20:15 Uhr

Gucken etwas bedröppelt: Das Magdeburger "110"-Duo Brasch und Köhler (Claudia Michelsen, Matthias Matschke) mit ihrem Chef Uwe Lemp (Felix Vörtler, li.). Alles sieht nach Mord in einem Dorf aus. ABer die Leiche fehlt. (Foto: MDR)

Schluss mit der Sommerpause und hinein in die neue Sonntagskrimi-Saison der ARD. Zum Start darf diesmal das Magdeburger „110“-Team Brasch und Köhler ran (Claudia Michelsen, Matthias Matschke). Und wir Spürnasen vor der Glotze könnten – voller Erwartung und an den Fingernägeln knabbernd – ebenfalls die Ermittlungen aufnehmen, wenn …

Ja, wenn es eine Leiche gäbe. Denn was die Beamten im Kofferraum eines Auto finden, ist lediglich jede Menge Blut. Mutmaßlich von Jurij Rehberg. Aber dessen schwangere Verlobte, Annette Wolf (Katharina Heyer), macht sich zunächst keine Sorgen. Jurij sei gern allein unterwegs und bliebe öfter auch mal auswärts über Nacht.

Doch kaum der schönen Natur wegen, wie Brasch und Köhler bald feststellen. Denn der smarte Lebemann aus der Stadt trieb sich weniger im Wald herum, als in fremden Betten.

Und doch war er überall beliebt, hatte Freunde und mischte mit seiner Ungezwungenheit das ganze bigotte Pummelsdorf auf (u.a. Hans Uwe Bauer, Katrin Wichmann, Jutta Wachowiak). Doch irgendwer aus diesem Kaff hatte dennoch mit ihm kurzen Prozess gemacht. Aber warum? Und wo war Jurijs Leiche versteckt?

Die Geschichte von Katrin Bühlig (Buch) und Philipp Leinemann (Regie) klingt harmloser, als sie ist. Denn aus einer Routineermittlung wird bald ein kleiner Nervenfetzer, der unerwartete Fragen stellt. Was zählen Liebe und Freundschaft in einer Dorfgemeinschaft? Hat ein Fremder wie Jurij hier überhaupt eine Chance? Und wie verloren muss man sein, um einen solchen Paradiesvogel bis auf den Tod zu hassen?

Großartig, wie Regisseur Leinemann seine Protagonisten durch dieses Gefühlschaos lenkt. Vor allem Michelsen und Matschke, die ihre Allüren und sinnlosen Rennereien offenbar endgültig abgelegt haben und immer besser harmonieren. Selbst, wenn es mit den eigenen Gefühlen, der Liebe und den Vorgesetzten mal hapert.

Ein stiller aber tiefgründiger „Polizeiruf“, der zum Saisonauftakt unsere grauen Zellen hübsch in Schwung bringt. Na also!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD