Du sollst nicht Gott kopieren!

Zum „Tatort" aus Ludwigshafen vom Sonntag, 08.09.2019: "Maleficius"

08.09.2019, 20:15 Uhr

Lena Odenthal und Johanna Stern (Ulrike Folkerts, Lisa Bitter) haben weder einen Abschluss in Philosophie, noch in Neurologie, noch in Theologie. Trotzdem erklären sie und die Welt und die Ethik unserer Existenz, die in ihrem Fall gerade auf dem Spiel steht. (Foto: WDR)

Ach, verdammt! Da hatte uns Tom Bohn im Dezember mit seinem „Tatort – Vom Himmel hoch“ wirklich Hoffnung gemacht, dass das Duo Odenthal und Stern auch großformatige Fälle stemmen kann (Ulrike Folkerts, Lisa Bitter), da beschert er uns nun wieder so einen Umstands-„Tatort“.

Nicht, dass sich Bohn (Buch und Regie) nicht erneut an einen großen Stoff gewagt hätte. Im Gegenteil. Diesmal geht es ihm um die menschliche Existenz schlechthin. Darum, ob und wann unser Gehirn reif ist für die Fusion mit der Technik. Also mit künstlicher Intelligenz (KI), mit dem Internet, mit einem Körper aus Metall und Plastik. Auf dass wir unsterblich wären.

Ein verlassener Rollstuhl am Ufer des Rheins bringt die Geschichte in Schwung. Hatte ein junger Mann Suizid begangen, weil er sein Schicksal nicht mehr ertrug?

Kurz darauf wird die Leiche einer Ärztin gefunden. Sie arbeitete in der Hirnforschung bei Prof. Bordauer (Sebastian Bezzel), der sehr frei mit KI und Gehirnstimulationen arbeitet. Bei ihm hatte auch der verschwundene Rollstuhlfahrer Hilfe gesucht. Wie hing das zusammen?

Lena und Johanna erkennen bald die Dimension dieses Falls. Bordauer spielte Gott und schien dabei über Leichen zu gehen. Und prompt geraten sie ins Philosophieren. Lena: „Merkst Du nicht, dass man uns immer mehr wegnimmt von dem, was uns ausmacht?“

Das genau ist der Haken an diesem „Tatort“. Mit jedem Satz, mit jeder verschwurbelten Erklärung nimmt Bohn seinen Protagonistinnen tatsächlich etwas weg. Aber nicht im Sinne der „Transhumanisten“, deren Mensch-Maschine-Utopien er in seinem Krimi verhandelt, sondern von ihrer Persönlichkeit als Kriminalbeamte.

Ihr Job ist es, einen Mord aufzuklären. Stattdessen lässt sie Bohn dozieren, in Endzeit-Elegien schwelgen und am Ende mit einer Meute Kleinganoven Bordauers Klinik entern. Muckis gegen Cyborgs! Vernunft gegen Utopie!

Nur, die Maschinenstürmerei anno 2019 passt so gar nicht zu den beiden Damen. So taff sie auch sein mögen. Wie war das mit dem Schuster?

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD