Die Unschuld in Zeiten des Hasses

Zum „Tatort" aus Ludwigshafen vom Sonntag, 14.02.2021: "Hetzjagd"

14.02.2021, 20:15 Uhr

Lena Odenthal und Johanna Stern (Ulrike Folkerts, Lisa Bitter) müssen Maria Karich (Anna Herrmann) beruhigen, deren Freund Tilmann soeben tot am Rheinufer entdeckt wurde. Wurde er Opfer eines rechtsradikalen Anschlags? (Bild: SWR)

Der SWR sieht sich ja öfter in der Pflicht, auch im fiktionalen Bereich politisch bildend zu wirken. Nicht zuletzt im „Tatort“. Aber wie es mit Polit-Thrillern so ist – das kann nach vorn oder nach hinten losgehen. Wie in Ludwigshafen, wo Stammautor und -Regisseur Tom Bohn gern am großen Rad der Politik oder Utopien dreht („Vom Himmel hoch“, „Maleficius“).

Für die Beamtinnen Odenthal und Stern (Ulrike Folkerts, Lisa Bitter) ist dies meist ein Drahtseilakt – zwischen Betroffenheits- und mutigem Aufklärungs-TV. Vor allem, wenn aus dem Eifer für die gerechten Dinge dieser Welt ein missionarischer Übereifer wird, der eher verschreckt als überzeugt.

In einem „Tatort“, der sich mit dem Rechtsradikalismus hierzulande befasst, ist so ein Drahtseilakt besonders heikel. Erst recht, wenn er von gängigen Schwarz-Weiß-Mustern abweicht. Wie im Falle des „Rock gegen Rechts“-Konzertveranstalters Tillmann Meinecke (Tom Sommerlatte), der beim Joggen auf offener Straße erschossen wird. Jedoch nicht, wie geplant, von zwei Neonazis (Daniel Noel Fleischmann, Anne-Marie Lux), sondern kurz zuvor von einer unbekannten Person.

Während aber alle davon ausgehen, dass der Linke von Rechten ermordet wurde, müssen Lena und Johanna sich an die Indizien halten. Schwer genug in diesem ideologischen Wirrwarr. Siegt nun das Recht oder die Gerechtigkeit?

Tom Bohn verschiebt geschickt die Polaritäten und fordert mit seinem „Tatort“ Nüchternheit bei der Auseinandersetzung zwischen den politischen Lagern ein. Ja, er führt sogar eine rechte und eine linke Aktivistin für einen berührenden Moment zueinander. Ein kühner dramaturgischer Kniff, der ihm auch Kritik einbringen wird. Selbst wenn er Lena vorauseilend deklamieren lässt: „Wenn wir was verändern wollen, müssen wir miteinander reden und dabei klare Kante zeigen“.

Was für eine Utopie! Reden war gestern, heute regiert nur noch der Hass. Wen kann, wen will Bohn also mit seinem mutigen Fair-Play-Plädoyer erreichen?

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD