Die Fehlerquote im Ausnahmezustand

Zum „Tatort" aus München vom Sonntag, 26.01.2020: "Unklare Lage"

26.01.2020, 20:15 Uhr

Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) finden bei einem toten Attentäter jede Menge Munition und - ein Funkgerät. Heißt das, es gibt einen Komplizen? (Foto: BR)

Was mit einer Fahrscheinkontrolle in einem Bus beginnt, artet verdammt schnell in ein Chaos aus. Ein junger Mann, ein Schüler noch, streckt den Kontrolleur mit einem Pistolenschuss nieder und flieht. Wenig später wird er von einem SEK in einem leer stehenden Gebäude erschossen.

Damit scheint der Fall zunächst erledigt. Doch im Rucksack von Tom Scheuer findet sich massenweise Munition und ein Funkgerät, so dass die Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) davon ausgehen, dass ein größeres Attentat geplant war. Womöglich – worst case – mit einem Komplizen!

Doch wer kann das sein? Fieberhaft wird die Familie und das Umfeld des Jungen durchleuchtet. Indizien führen zu Toms Bruder und Toms Freundin (Max Krause, Pauline Werner). Aber sind sie tatsächlich mitschuldig?

Schon findet sich eine Bauanleitung für eine Bombe in Toms Rechner. Sofort gibt die Einsatzzentrale (u.a. Corinna Kirchhoff, Ferdinand Hofer) Großalarm. Die Innenstadt wird abgeriegelt, der öffentliche Verkehr lahmgelegt. Angst verbreitet sich in der Stadt. München ist im Ausnahmezustand. Gelingt es, den Komplizen zu stellen, bevor er zuschlägt? Oder gibt es am Ende gar keinen Mittäter?

Holger Joos (Buch) und Pia Strietmann (Regie) inszenieren ihren „Tatort“ als urbane Großwildjagd, die offenbart, wie fragil das Sicherheitssystem des Rechtsstaates ist. Erbarmungslos spielen sie den Ernstfall mit allen Konsequenzen durch und hinterfragen die Strukturen und die Belastbarkeit des Systems, das trotz Hightech immer noch vom Personal, den Polizeikräften abhängt. Und die machen Fehler! Eben.

Umso stärker ist die Herausforderung für das Ensemble, das sich in dieser (fiktiven) Extremsituation bewähren muss. Was es auch tut. Vor allem Nemec und Wachtveitl beweisen mit ihrer inneren Zerrissenheit erneut viel Gespür in ihren Rollen. Und, dass es selbst für zwei alte Schlachtrösser nie zu spät ist, dazuzulernen. Was eine Überlebensfrage ist. Eben. Für sie und – für ganz München!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD