Deutsch-polnischer Familienkrieg

Zum „Polizeiruf: 110" aus Brandenburg/Polen vom Sonntag, 25.08.2019: "Heimatliebe"

25.08.2019, 20:15 Uhr

Die Kriminalhauptkommissare Lenski und Raczek (Maria Simon, Lucas Gregorowicz) motzen und giften sich immer wieder wegen Kleinigkeiten an. Aber am Ende müssen sie doch gemeinsam herausfinden, wer den polnischen Bauern Wojciech Sekula erschlagen hat. Wobei sie selbst wortwörtlich in die Schusslinie geraten. (Foto: RBB)

Am Ende dieses „Polizeirufs“ heißt es nur: Schwein gehabt! Knapp mit dem Leben davongekommen! Da müssen die Kommissare Lenski und Raczek (Maria Simon, Lucas Gregorowicz) erst mal wieder runterkommen. Wie wär‘s mit einem Joint? So ein Rausch-Hauch soll ja obendrein das Zwischenmenschliche befördern.

Das tut auch Not. Denn als hätten sie nicht schon öfter in Lebensgefahr geschwebt oder wären zusammen gar im Bett gelandet, siezen und fetzen sie sich weiter. Wie ein altes Ehepaar. Nur wenn es lichterloh brennt, wenn ihnen die Kugeln um die Ohren pfeifen, fallen Lenski und Raczek ins „Du“. Mehr müssen wir über ihr Grundvertrauen zueinander wohl nicht wissen.

Und diesmal brennt es tatsächlich lichterloh, pfeifen ihnen tatsächlich die Kugeln um die Ohren wie noch nie. Was seinen Anfang nimmt in einem Brandanschlag auf den Stall von Wojciech Sekula (Grzegorz Stosz), der mit seinem Sohn (Joshio Marlon) und seiner deutschen Frau (Anna König) auf einem Bauernhof in Zimowe Pole nahe der Oder lebt. Alle Rinder verrecken, der Hof scheint ruiniert.

Dennoch will Wojciech, bestärkt von seinem Bruder Andrzej (Marcin Pietowski), seinen Hof nicht verkaufen, wie ihn seine Frau und ein zwielichtiger Anwalt (Tadeusz Chudecki) drängen.

Doch bevor Lenski und Raczek die Zusammenhänge erkennen, wird Wojciech Sekula ermordet, geht Bruder Andrzej auf Rachefeldzug, kommt eine dubiose Firma namens „Treuhand Brandenburg“ ins Spiel, die in großem Stil polnisches Ackerland aufkauft. Aber musste Wojciech sterben, weil er einem deutschen Agrarkonzern im Wege war, oder steckt noch etwas anderes dahinter?

Und ob! Autor-Regisseur und „110“-Debütant Christian Bach zelebriert uns natürlich keine geradlinige Heuschrecken-Story, bei der ein polnischer Bauer dran glauben muss. Mit Raffinesse und einem starken Ensemble führt uns Bach vielmehr in die Untiefen deutsch-polnischer Grabenkämpfe um Heimat, Ehre und Familie. Klug gebaut und hoch dramatisch. Sehr sehenswert!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD