Der Rostocker Serienmörder von nebenan

Zum „Polizeiruf: 110" aus Rostock vom Sonntag, 06.10.2019: "Dunkler Zwilling"

06.10.2019, 20:15 Uhr

Bukow und König (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau) kommen erstmal nicht weiter. Denn wie es scheint, handelt es sich bei dem Mord an einem jungen Mädchen um keinen Einzelfall, sondern um eine ganze Serie. Wo soll man da anfangen? (Foto: NDR)

Lustig wird das nicht, was unsere Rostocker „Polizeiruf“-Truppe diesmal anfassen muss. Eine junge Ausreißerin, gerade mal 16, wird ermordet aufgefunden. Brutal entstellt und mit herausgeschnittener Gebärmutter.

Schlimmer noch: Ihre ordentlich drapierten Schuhe am Tatort weisen bald auf eine Mordserie hin, die bereits vor 15 Jahren begann. Für Bukow und König (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau) nicht nur ein brisanter Fall, sondern auch eine Belastungsprobe für ihr ohnehin fragiles Verhältnis. Zwischen Zuneigung und Dauerzoff. Vielleicht aber auch eine Bewährungsprobe?

Schnell drängen sich einige Verdächtige auf. Darunter der Unternehmer Frank Kern (Simon Schwarz), dessen Tochter (Emilia Nöth) nach der Mordnacht Blutspuren in seinem Wagen findet. Doch bevor sich die Kriminalen hier richtig einklinken können, findet sich die nächste massakrierte junge Frau, eine dänische Touristin.

Und richtig kompliziert wird es, als eine ältere Dame (Angela Winkler) ihren jungen Ehemann (Alexander Beyer) belastet. Sie geht davon aus, dass ihr Jens, der nebenher als Taxifahrer arbeitet und stets zu den Tatzeiten unterwegs war, der Mörder der Mädchen ist.

Bukow, König und ihr Team sind hin- und hergerissen. Die Zeit drängt, jeden Moment kann die Bestie wieder zuschlagen. Ist es der sympathische Familienvater Kern oder doch der sinistre Jung-Ehemann?

Damir Lukačević (Buch und Regie) lässt uns lange zappeln, bevor er in einem furiosen Finale die Lösung dieses Falls zelebriert. Bis dahin treibt er uns und seine Protagonisten durch ein Wechselbad voller Psychotricks und jäher Wendungen. Ein gefährliches Spiel, das schnell konstruiert und effektheischend wirken kann.

Das tut es auch an mancher Stelle. Doch Lukačević überdehnt den Bogen nicht und erdet seine vertrackte Horrorgeschichte immer wieder mit wahrhaftigen Momenten zwischen seinen Figuren. Zwischen Vater und Tochter. Zwischen Ehemann und Ehefrau. Und am Ende sogar zwischen Bukow und König.

Sehr sehenswert, das Ganze!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD