Der Krieg um die Kinder kennt nur Verlierer

Zum „Tatort" aus Köln vom Sonntag, 22.03.2020: "Niemals ohne mich“

22.03.2020, 20:15 Uhr

An einer Unterführung in Köln wird die Jugendamtsmitarbeiterin Monika Fellner erschlagen aufgefunden. Die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) sowie Gerichtsmediziner Dr. Roth (Joe Bausch) nehmen die Ermittlungen auf. (Foto: WDR)

Sorgerecht, Unterhalt, Kindergeld – wer nach einer Trennung mit dem Jugendamt zu tun hat, um die Zukunft der Kinder zu regeln, weiß: das kann ein Krieg werden. Nicht selten brennen dabei einem Vater oder einer Mutter die Sicherungen durch, wenn sie sich zu Unrecht behandelt fühlen. Dann wird es laut und hässlich.

Wie bei Rainer Hildebrandt (Peter Schneider), der seine zuständige Beamtin Monika Fellner (Melanie Straub) attackiert, weil sie immer nur gegen ihn entscheidet. Einen Tag später ist Fellner tot. Erschlagen an einer Unterführung am Kölner Stadtrand.

Unsere Kripo-Lieblinge Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) müssen tief hinabtauchen in den Morast dieser Rosenkriege, um den Mord aufzuklären. Denn dass Hildebrandt auch noch zum Killer wurde, ist ungewiss. Kandidaten für den Mord an Fellner, die sich viele „Kunden“ zum Feind gemacht hatte, gibt es dagegen zuhauf.

So dürfen sich Max und Freddy von diesen Kunden irre Geschichten anhören. Vom Aggro-Pärchen, das sich permanent fetzt, bis zum Jung-Papa, der die Vaterschaft leugnet, um dem Unterhalt zu entgehen. Alles herzergreifend, aber auch sehr öde!

Was diesem „Tatort“ insgesamt zu bescheinigen ist. Denn so wacker es von Jürgen Werner (Buch) und Nina Wolfrum (Regie) ist, das heikle Thema anzupacken, so konventionell und bieder kommt ihr Filmchen daher.

Die Schicksale berühren nicht wirklich, da der Amts-Beschiss und der Eltern-Zoff nur gespielt wirken. Die Figuren sind mit Stereotypen besetzt, denen wir kaum abkaufen, was sie uns vorgaukeln (wie Gerdy Zint, der TV-Klopper vom Dienst). Und die Lösung des Falls ist so vorhersehbar wie eine Backpfeife in einer Vorabendserie.

Behrendt und Bär haben da nur gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Und selbst das sieht schief aus, weil sie allzeit Moral predigen müssen.

Umso frappierender der Epilog zum Epilog, wenn die klugen Sprüche an der „Wurstbraterei“ schon durch sind. Wir sehen einen Mann und eine Frau. Und einen Golfschläger. Dann kracht es …

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD