Der Kettenhund als Samariter überzeugt nicht

Zum „Tatort" aus Hamburg vom Sonntag, 05.01.2020: "Tschill Out"

05.01.2020, 20:15 Uhr

Die LKA-Kollegen Tschiller und Gümer (Til Schweiger, Fahri Yardim) haben ein Problem: Wohin mit dem Kronzeugen Tom Nix (Ben Münchow), der in einem Drogenfall aussagen soll? Irgendwo im LKA gibt es nämlich ein Leck. (Foto: NDR)

Ja, er kann böse gucken. Und liebevoll. Und wild entschlossen. Til Schweiger ist ein offenes Buch. Sein größter Vorzug! Niemand kann ihm vorwerfen, raffiniert oder gar hinterlistig zu sein in seinen Rollen. Ein Mann, ein Held – ein echter Ritter!

Auch im „Tatort“ verbiegt er sich kein bisschen und kloppt ebenso viel Herz wie Härte in seinen LKA-Ermittler Nick Tschiller. Doch diesmal kommt es anders. Denn statt böse Jungs zu jagen, muss er auf sein Disziplinarverfahren warten, das er sich bei seinen letzten Gemetzeln mit Oberschurke Firat Astan eingehandelt hat.

Also zieht er sich auf die kleine Nordseeinsel Neuwerk zurück und hilft einer Freundin (Laura Tonke) bei der Betreuung von schwererziehbaren Jugendlichen. Klar, dass hier, bei den Aussteiger-Kids, mehr Herz als Härte gefragt ist.

Ebenso klar ist, dass währenddessen LKA-Kumpel Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ohne Nick schon bald in Schwierigkeiten steckt, als er mit Ersatz-Kollegin Robin Pien (Zoe Moore) einem Drogenring im Darknet auf die Spur kommt. Bei der Verlegung zweier Kronzeugen wird der Transport überfallen und einer der Jungs erschossen, so dass der zweite (Ben Münchow) irgendwo in Sicherheit gebracht werden muss. Natürlich auf Neuwerk. So kann das Drama seinen Lauf nehmen.

Anika Wangard (Buch) und Eoin Moore (Buch, Regie) wollen offenbar partout und im Flüsterton das Brachial-Image der Schweiger-„Tatorte“ aufbrechen. Sie geben ihrem Helden viel Raum für Gefühle. Der Ritter als Retter. Für alle!

Doch das klappt nur bedingt. Denn einen Jagdhund wie Tschiller kann man zwar an die Kette legen und ihn mit treuherzigen Augen von Freundschaft, Familie und der ewigen Liebe jaulen lassen. Aber diese Figur taugt nun mal nicht zum Softboy wie sonst in den Schweiger-Filmen. Alles wirkt viel zu ungelenk und schaumgebremst. Der Bruch ist zu groß.

Was lehrt uns das? Tschiller, bleib bei Deinen Leisten! Balance ist Dein Trumpf! Lass es krachen, mach uns Lachen, erst dann darfst Du den Samariter machen!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD