Der Anteil eines Mordes an der „K.-F.“-Werdung des Boerne

Zum „Tatort" aus Münster vom Sonntag, 03.11.2019: "Lakritz"

03.11.2019, 20:15 Uhr

Was harmlos aussieht, ist manchmal tödlich. Die Kommissare Thiel und Boerne (Axel Prahl, Jan Josef Liefers) untersuchen ein Lakritz-Glas, das verdammt nach Bittermandeln riecht. War hier Zyankali im Spiel? (Foto: WDR)

Richtig so: Nachdem uns Thiel und Boerne (Axel Prahl, Jan Josef Liefers) 17 Jahre lang mit ihren Mätzchen zum Narren gehalten haben, wird es Zeit, ans Eingemachte zu gehen. Schließlich interessiert uns schon lange, wie Thiel zu Thiel und Boerne zu „K.-F.“ geworden ist.

Obwohl, wir wissen ja bereits, dass Thiel weit vom Stamm seines Vaters gefallen (Claus D. Clausnitzer) und er vermutlich nur aus Gründen der Selbsterhaltung Kripo-Beamter geworden ist. Auch wenn seine Macken die Verwandtschaft mit dem Kiffer-Zausel oft genug belegen.

Anders sieht es mit Leichenschnippler Karl-Friedrich Boerne aus. Diesem selbst ernannten Genius in Sachen Forensik, Frauen und Faux Filet. Doch wer glaubt, „K.-F.“ sei schon mit großer Klappe und Doktortitel zur Welt gekommen, wird nun eines Besseren belehrt.

Denn als sich die Leiche des Münsteraner Marktmeisters Hannes Wagner in seiner Villa findet, führt eine Spur zu einer kleinen Lakritz-Manufaktur, zu Monika (Annika Kuhl), Boernes erster Jugend-Liebe, und zu einem uralten Fall. Einem fingierten Suizid, der aus dem pausbäckigen Streber „K.-F.“ eine gewitzte Spürnase werden ließ.

Ja, ja, Regisseurin Randa Chahoud dreht gehörig am Historienrad, um eine, der Boerne-Figur adäquate Kindheits-Mordgeschichte zu spinnen (Buch: Thorsten Wettcke). Da wird nicht gekleckert, sondern mit Pathos, Witz und bunt koloriertem 70er-Jahre-Look eine ebenso selige wie unselige Zeit heraufbeschworen.

Und eine Brücke ins Heute geschlagen, in der es kein bisschen anders läuft. Mit ebensolchen Strolchen, nur in anderen Klamotten. Denn geknutscht und gemordet wird eben immer.

Was zu beweisen war – das Verbrechen kennt weder Hoch- noch Jahreszeiten, dafür eine Allzeit-Allzweck-Abwehrwaffe: K.-F. Boerne. So dürfen (sollen) wir weiter an den Mythos Münster im „Tatort“ glauben. Erst recht nach diesem 35. Fall, in dem sich Thiel und Boerne endlich, gegenseitig und „offiziell“ zu „Freunden“ ernennen.

Das kann nur heiter – bleiben!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD