Das wahre Märchen vom Ende aller Träume

Zum „Tatort" aus München vom Sonntag, 26.05.2019: "Die ewige Welle"

26.05.2019, 20:15 Uhr

Surfen im Münchner Eisbach - da geraten selbst unsere Silberlocken Ivo Batic und Franz Leitmayr aneinander (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl): Denn ganz in der Nähe wurde Franz' alter Kumpel Mikesch überfallen. (Foto: BR)

Nach einer nächtlichen Surfsession auf dem Eisbach von München wird Mikesch Seifert (Andreas Lust) plötzlich von einem jungen Kerl vom Fahrrad gezerrt und niedergestochen. Nur mit knapper Not überlebt er und landet im Krankenhaus.

Die Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl) wollen den Fall erst gar nicht anfassen, da bei Mikesch „Tonatin“-Tabletten sichergestellt wurden. Ein starkes Sedativum, das gern in der Drogenszene kursiert. Ein Fall für die Kollegen.

Doch dann erkennt Mikesch in Franz seinen alten Jugendfreund, mit dem er 1984 in Portugal, am Strand von Nazaré, die „geilste Zeit“ seines Lebens verbracht hatte. Zusammen mit der jungen Holländerin Frida. Zu dritt lebten sie wochenlang Sonne, Liebe, Freiheit pur.

Aber anstatt sich von Franz helfen zu lassen, verschwindet Mikesch aus dem Krankenhaus. Wenig später findet sich die erste Leiche in Mikeschs Umfeld. In welchen Schlamassel war Franz‘ alter Kumpel nur geraten?

Regisseur Andreas Kleinert lässt in seiner anrührenden Geschichte zwei Welten aufeinanderprallen, die unterschiedlicher nicht sein können. Hier der saturierte Kriminalbeamte, da der unorthodoxe Lebenskünstler, der partout seine Freiheit ausleben will. Und beide scheitern auf ihre Weise.

Herausragend dabei Andreas Lust, der ja erst vor kurzem in der Rolle eines Losers überzeugte (als Liebhaber einer Minderjährigen im „Tatort – Für immer und Dich“). Erneut verleiht er einem Traumtänzer traurige Gestalt, der aus der Zeit gefallen scheint, weil er sich um Konventionen und Vorurteile nicht schert.

Natürlich führt Kleinert diesen Neo-„Don Quijote“ bis zum bitteren Ende seiner Illusionen. Und uns zu der Erkenntnis, dass totale Freiheit, ganz ohne Bindung an die Gesellschaft, heute wohl unmöglich ist. Anders, als vielleicht noch in den 80er Jahren, die Kleinert so fern und „selig“ scheinen, dass er sie in Sepiafarben taucht wie einen Stummfilm.

In der Tat, dieser Kleinert-„Tatort“ macht erneut sprachlos.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD