„Cop Land“ im pfälzischen Hinterland

Zum „Tatort" aus Ludwigshafen vom Sonntag, 17.11.2019: "Die Pfalz von oben"

17.11.2019, 20:15 Uhr

In ihrem 70. Fall trifft Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) auf einen alten Bekannten: Dienststellenleiter Stefan Tries (Ben Becker). Mit ihm hatte sie schon im "Tatort: Tod im Häcksler" 1991 ein Techtelmechtel. Ob das hilfreich ist für ihre Ermittlungen? (Foto: SWR)

Schön haben es sich die Bewohner von Garrison in ihrem Städtchen am Hudson River eingerichtet. Feine Häuschen, gepflegte Gärten und jede Menge Ruhe. Kein Wunder, die Hälfte von ihnen sind Polizisten in New York, weshalb ihr friedvolles Nest auch „Cop Land“ genannt wird.

Klar, hier regelt der Sheriff alles. Und der heißt Freddy Heflin (Sylvester Stallone). Und ebenso klar: Hier gelten eigene Regeln, Cop-Regeln! Die Streitereien untereinander, die Eigenheimkredite von der Mafia – alles unter Kontrolle. Wer braucht da Recht und Gesetz?

Bis es kracht. Bis es eine Leiche gibt. Dann ist die Idylle hinüber. Und „Cop Land“, das Elysium der Staatsbeamten, zerfällt.

So, oder so ähnlich, geht James Mangolds (Buch, Regie) blutige Saga über korrupte New Yorker Polizisten aus dem Jahre 1997. Ein klasse Thriller, starbesetzt u.a. mit Robert de Niro und Harvey Keitel. Vielleicht ein bisschen oldschool, heute.

Aber ein „Tatort“ lässt sich daraus allemal noch basteln. Erst recht beim 70. Fall von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), zu ihrem 30-jährigen Jubiläum als TV-Kommissarin.

Das dachten sich offenbar Stefan Dähnert (Buch) und Brigitte Maria Bertele (Regie) und verpflanzen ihr „Cop Land“ in die Pfalz, stecken Ben Becker in die Uniform des korrupten Dienststellenleiters Stefan Tries und lassen einen jungen, engagierten Polizisten bei der 0815-Kontrolle eines LKWs umnieten.

Und um es noch etwas pikanter zu machen: Lena hatte schon 1991 im „Tatort: Tod im Häcksler“ ein Techtelmechtel mit Jungpolizist Stefan Tries, das jetzt wieder aufflammt, aber nun freilich ihre Ermittlungen mit Kollegin Johanna Stern stört (Lisa Bitter). Aber der Spannungsbogen dehnt und dehnt sich dadurch wunderbar. Und die Filmschnipsel von dunnemals tun ihr Übriges, Folkerts und Becker die ihnen gebührende Referenz zu erweisen.

Mehr müssen wir nicht wissen, um uns auf dieses Jubiläum einzulassen. Höchstens: Ein klasse Thriller, starbesetzt, vielleicht ein bisschen oldschool. Immer noch!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD