Bullenklatschen in der Muckibude

Zum „Tatort" aus Wien vom Sonntag, 06.09.2020: "Pumpen“

06.09.2020, 20:15 Uhr

Nicht gerade das Lieblingsterrain der Wiener Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser): Die Muckibude von Markus Hangl (Laurence Rupp). (Foto: ORF)

Schluss mit Gammel und Sommerpause! Die ARD startet die neue „Tatort“-Saison mit stahlharten Körpern und bösen Jungs, die in einem Fitness-Studio die komischsten Sachen anstellen. Handel mit Anabolika, Geldwäsche und eine fiese Abzocke von Einwanderern aus Ost- und Südosteuropa. Und gern wird auch mal ein Bulle in die Mangel genommen, der seine Nase in Sachen steckt, die ihn nichts angehen.

Knifflig genug für die Wiener BKA-Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser). Denn als sich an einem Bahngleis die Leiche eines jungen, durchtrainierten Mannes findet, führen die Spuren zwar in eine anrüchige Muckibude. Doch was zunächst wie ein kleiner Bandenkrieg zwischen Dealern aussieht, entpuppt sich bald als großangelegter Betrug im Versicherungsgeschäft. Und schon läuft bei den Ermittlungen alles schief.

Viel Aufregung haben wir Zuschauer trotzdem nicht zu befürchten. Denn Karin Lomot, Robert Buchschwenter (Buch) und Andreas Kopriva (Regie) haben den 23. Fall von Moritz und Bibi viel zu konventionell gestrickt, als dass wir in Schnappatmung geraten könnten. So wird die durchaus brisante und verwinkelte Story immer wieder von Klischees und hölzernen Figuren konterkariert.

Das ist zum Glück trotzdem noch ansehnlich, da Krassnitzer und Neuhauser unerschütterlich bleiben in ihrer Glaubwürdigkeit. Aber dass Moritz angesichts der aufgepumpten Astralkörper nun plötzlich auf Diät geht oder Kollege Schimpf (Thomas Stipsits) sich undercover unter die Bodybuilder mischt, nur, um von ihnen ziemlich bald aufgeklatscht zu werden, ist dann doch des Albernen zu viel.

Aber sei’s drum. Wir haben unseren „Tatort“ wieder und damit ein Stück Normalität – in diesen wirren Zeiten. Und ist dieser Saisonauftakt vielleicht etwas zu banal, so ist er doch immerhin wohltuend unprätentiös. Ganz ohne Zeigefinger, moralische Appelle und erzieherisches Pathos.

Ein stinknormaler Krimi, gute Unterhaltung – ein Wert an sich, mittlerweile!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD