Blindgänger statt Krimi-Bombe (II)

Zum „Tatort" aus Stuttgart vom Sonntag, 01.11.2020: "Der Welten Lohn“

01.11.2020, 20:15 Uhr

Die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) am Fundort einer Frauenleiche. Noch haben sie keine Ahnung, was passiert ist. Aber mit Geduld und Spucke lösen sie natürlich auch diesen Fall. Nur ansehnlich ist das nicht. (Foto: SWR)

Eigentlich müsste doch der neue Stuttgarter „Tatort“ eine einzige Wiedergutmachung für den Langweiler vom Mai werden („Du allein“), wo eine spannende Geschichte – Scharfschütze terrorisiert Innenstadt – durch ein behäbiges Szenario komplett ausgehebelt wurde. Aber wie wir sehen werden, hat sich der SWR bei seinem „Tatort“-Team Lannert und Bootz (Richy Müller, Felix Klare) offenbar festgelegt. Zeitlupe und Erklär-TV beherrschen weiter die Dramaturgie. Wie in den 70ern. Hilfe!

Dabei ist auch diesmal der Plot vielversprechend. Oliver Manlik (Barnaby Metschurat), der in einem Korruptionsfall als Bauernopfer für seine Stuttgarter Firma über drei Jahre in den USA im Knast saß und dort die Hölle durchlebt hat, kehrt zurück und fordert von seinem Chef (Stephan Schad) zumindest Wiederanstellung und Entschädigung für die Haftzeit. Denn klar ist, dass er nicht allein schuldig war und die Millionen an Schmiergeldern wohl kaum von seinem Ersparten gezahlt hatte.

Zur selben Zeit wird die Personalchefin des Unternehmens tot in einem Wald aufgefunden. Hängt das mit der Rückkehr Manliks zusammen? Ist dieser etwa auf Rachefeldzug für den Verlust seiner Reputation, seines hochdotierten Jobs und vor allem seiner Frau (Isabell Barth) und seines Sohnes?

Eigentlich eine brisante Geschichte, die vielschichtige Charaktere und etliche knisternde Momente zeitigen sollte. Doch Boris Dennulat (Buch) und Gerd Schneider (Regie) versäumen es, daraus Kapital zu schlagen. Soll heißen: Inhalt „Eins“, Form „Fünf“. Denn ihre Figuren sind viel zu schablonenhaft, ganz ohne Zwischentöne. Die Handlung schleppt sich im Schneckentempo dahin. Und die Polizei geht so stümperhaft zu Werke, dass es fast nach Rufschändung aussieht.

Ganz unerträglich sind jedoch erneut die Dialoge. Entweder in gestelztem Amtsdeutsch oder gleich ganz in unverständlichem, schwäbischem Welsch. Wie können sich Müller und Klare das gefallen lassen?

Schade um diesen Krimi und diesen Sonntagabend!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD