Berlin, Du kannst so hässlich sein

Zum „Tatort" aus Berlin vom Sonntag, 05.05.2019: "Der gute Weg"

05.05.2019, 20:15 Uhr

Die Kommissare Rubin und Karow (Meret Becker, Mark Waschke) sind schockiert. Bei einem Praktikumseinsatz im Streifendienst wurde Rubin Junior angeschossen. Was ist bei der Routinenummer schiefgelaufen? (Foto: RBB)

So läuft das eben in Berlin: Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) hat mal wieder einen One-Night-Stand zuhause. Einen Knackarsch, der für ein paar Momente ihre Einsamkeit vergessen macht. Und Kollege Robert Karow (Mark Waschke) vögelt nach wie vor „alles, was bei Drei nicht uff’m Baum is“.

Mehr müssen wir vom Privatleben der beiden nicht wissen. Berlin ist eben cool. Da geht‘s um Sex und harte Partys, nicht um Gartenzwerge und Familienkram. Es sei denn …

Es sei denn, Sohnemann Tolja Rubin, angehender Polizist wie Mama, absolviert gerade ein Praktikum im Streifendienst und wird bei einem Routineeinsatz im Kiez von zwei Schüssen niedergestreckt. Dann sieht auch in Berlin die Welt ganz normal aus. Mama ist wieder Mama und nicht mehr Vamp. Und Karow hängt sich für seine Kollegin rein, so gut es geht.

Zum Glück trägt Tolja bei dem Einsatz eine Schutzweste und überlebt fast unverletzt. Doch seine Begleiter haben weniger Glück. Eine junge Kollegin stirbt, ein älterer Beamter bekommt eine Kugel ins Bein. Und so landet unser LKA-Duo unverhofft in einer bizarren Tragödie um Libanesen-Clans, V-Männer und einen kurz vor seiner Pensionierung stehenden Streifenpolizisten, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird (Peter Trabner).

Eine wirre Mixtur aus Schuld und Sühne, derben Sprüchen und dem alltäglichen Wahnsinn der Polizeiarbeit. Ein echter Berlin-„Tatort“ eben (Buch: Christoph Darnstädt), den Christian von Castelberg (Regie) effektvoll in kaltes Licht und düstere Farben taucht.

Mehr noch: Von Castelberg treibt seine Protagonisten von einer Krise zur nächsten, so dass auch für uns Zuschauer die Tragik der Ereignisse schier mit Händen zu greifen ist. Wir leiden mit, wir fiebern mit. Und am Ende sehen wir nur Verlierer.

Tickt so Berlin? Zumindest klingt dieser „Tatort“ wie Peter Fox‘ „Schwarz zu Blau“: „Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau. Du kannst so schön schrecklich sein, deine Nächte fressen mich auf“. Mehr Berlin-Feeling geht nicht!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD