Aufstieg und Fall eines Selfmade-Prinzen

Zum „Polizeiruf: 110" aus Rostock vom Sonntag, 19.01.2020: "Rostocks Söhne"

19.01.2020, 20:15 Uhr

Bukow und König (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau) bitten ihren Chef (Gunter Preuss) um grünes Licht für den Zugriff. Jungunternehmer Michael Norden hat offenbar den Mörder seines Kumpels Frank Fischer umgelkegt. (Foto: NDR)

Was für ein Sunnyboy! Michael Norden (Tilman Strauß), Rostocks Jungunternehmer des Jahres, könnte locker in der Werbung auftreten – „Meine Villa“! Mein Porsche! Meine schöne Prinzessin!“

Die Kehrseite: Norden verprügelt gern Frauen, hat einen Sohn, den er ablehnt, und er ist – was sonst – total pleite. Was für ein Arsch! Da lässt die Katastrophe nicht lange auf sich warten.

Als Kommissar Sascha Bukow wegen eines Alarmsignals zu Nordens Villa kommt, findet sich in der Garage ein blutüberströmter Mann, der kurz darauf verröchelt. Nordens Kumpel aus Gründerzeiten, Frank Fischer. Was war passiert? Ist Norden zum Mörder geworden?

Das zu klären, ist für Bukow und Kollegin König nicht leicht (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau). Norden ist Bukow entwischt und seitdem nicht mehr auffindbar. Seine Ex (Katharina Behrens) will weder ihm noch der Polizei helfen. Und seine Geliebte (Romina Küper) kann gar nicht glauben, was für ein übler Kerl ihr Prinz ist.

Da geschieht ein weiterer Mord, der diesmal zweifelsfrei auf Nordens Konto geht …

Markus Busch (Buch) hat eine komplexe Tragödie entworfen, die unsere Kriminalen mehr berührt, als ihnen lieb ist. Denn die Jagd nach dem verschwundenen Filou stellt viele Fragen: Wer bin ich? Wie will ich leben? Welcher Partner passt zu mir? Wohin mit meinen Talenten? Und: Wie wichtig ist mir Familie? Alles Gewissensfragen, denen sich auch Bukow, König & Co. immer wieder stellen müssen.

Regisseur Christian von Castelberg macht daraus ein sehenswertes Echtzeit-Drama und findet erstaunliche Antworten. Nicht zuletzt durch einen dramaturgischen Trick. Denn klammheimlich modelliert er Nordens Sohn Jon (Oskar Belton) zur Hauptfigur bei der ganzen Hatz und zum Zünglein an der Waage der Emotionen. Er wird zum Spiegel für den Unternehmer, den Vater und – den Mörder Michael Norden.

Gut, dass die Bukow-Truppe selbst kaputt genug ist, um mit solchen Seelenbrüchen umgehen zu können. Viel Stoff zum Grübeln. Und erneut eine hübsche Herausforderung für das Ensemble!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD