Auch ein Mord schafft keine Gerechtigkeit

Zum „Tatort" aus Berlin vom Sonntag, 10.11.2019: "Das Leben nach dem Tod"

10.11.2019, 20:15 Uhr

Gerd Böhnke (Otto Mellies) - einst verdienter Jurist des DDR-Volkes, nun ein Mörder? Die Kommissare Karow und Rubin kommen einem Rachemord auf die Spur, der seinen Ursprung in der DDR hat. (Foto: RBB)

Plattenbau-Idylle Berlin. Opa Böhnke (Otto Mellies), ein verdienter Jurist des DDR-Volkes, kommt vom Einkauf zurück und will seine Wohnung betreten, da stürmen zwei Mädchen von hinten heran. Ratzfatz haben sie den Alten umgehauen und räumen nun in Ruhe seine Bude aus.

Kurz darauf findet sich um die Ecke, in einer anderen, versifften Platte, die Leiche des alten Fritz Irrgang. Halb verwest und offenbar schon Wochen tot, ohne dass es einer bemerkt hat. Nicht einmal sein Nachbar, Hauptkommissar Karow (Mark Waschke). War Irrgang ebenfalls das Opfer der Mädchenbande?

Wie Karow zusammen mit Kollegin Rubin (Meret Becker) herausfindet, wurde Irrgang mit einem Genickschuss gezielt getötet. Das sah nicht nach osteuropäischer Klau-Mafia aus. Und nach „Entmietung per Auftragsmord“ der raffgierigen Hausbesitzerin wohl auch nicht.

Eine Spur führt schließlich zu Hajo Holzkamp und seiner Frau (Christian Kuchenbuch, Britta Hammelstein). Zu DDR-Zeiten musste der kleine Holzkamp mit ansehen, wie Raubmörder Irrgang seine Familie abschlachtete, wofür dieser zwar zum Tode verurteilt aber nie hingerichtet wurde. Hatte sich Holzkamp jetzt, nach Jahrzehnten, endlich gerächt?

Genau zum 30. Mauerfall-Jubiläum erinnern Sarah Schnier (Buch) und Florian Baxmeyer (Regie) an ein trauriges Kapitel DDR-Justizgeschichte, in der noch bis 1976 die Todesstrafe vollstreckt wurde. Per Genickschuss! Ihr „Tatort“ sucht einen Zugang zu diesem blinden Fleck in der Historie und zeichnet die gebrochenen Biografien von Tätern und Opfern nach.

Zum Glück ersäuft ihre Geschichte dabei nicht in Larmoyanz und düsteren Bildern, sondern arbeitet die Schrecken von einst sehr nüchtern auf. Auch wenn es ihre Protagonisten, Karow und Rubin, zwischen Antipathie und Empathie fast zerreißt. Großes Kino von Waschke und Becker!

So berührt dieser „Tatort“ wie eine Monstergeschichte, die plötzlich wahr wird. Eine, die Licht ins Dunkel bringt und uns genau deshalb den Schlaf rauben kann. Nicht verpassen!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD