Abgesang auf die Gangsterehre

Zum „Tatort" aus Hamburg vom Sonntag, 09.02.2020: "Die goldene Zeit"

09.02.2020, 20:15 Uhr

Hamburgs LKA-Kommissare Thorsten Falke und Julia Grosz (Wotan Wilke Möhring, Franziska Weisz) stecken bis zum Hals in einem Mordfall im Rotlichtmilieu. Kann ihnen die rumänische Prostituierte Voica (Emma Drogunova) weiterhelfen? (Foto: NDR)

Auftragsmord im Hamburger Kiez! Natürlich muss eine Rotlichtgröße dran glauben. Und natürlich will niemand etwas wissen oder gesehen haben, als das LKA mit den Kommissaren Thorsten Falke und Julia Grosz anrückt (Wotan Wilke Möhring, Franziska Weisz).

Was nicht selbstverständlich ist: Der Auftragskiller (Bogdan Iancu) ist keine 15 Jahre alt und reist für seinen Job aus Rumänien an. Das wissen aber nur wir Zuschauer, die wir den Mord und den Überlebenskampf des Jungen, der zu der Bluttat gezwungen wurde, mit ansehen dürfen.

Falke und Grosz dagegen müssen sich erst durch den ganzen Schlamm aus Prostitution, Albaner-Clans und modernem Menschenhandel wühlen, bis sie der Lösung des Falls näherkommen. Zum Problem wird dabei Falkes alter Kumpel Michael Lübke (Michael Thomas), der einst sein Mentor in der Türsteherszene war und der die Mordaffäre nutzen will, um wieder zu alter Größe im Milieu aufzusteigen.

Lübke kassiert den jungen Rumänen ein und will ihn wie einen Hund für seinen nächsten Mordauftrag abrichten. Doch dann besinnt er sich auf seine eigene Stärke als Kiezkönig und will den eskalierenden Bandenkrieg selbst beenden. Wird Falke ihm aus alter Verbundenheit helfen?

Georg Lippert (Buch) und Mia Spengler (Regie) servieren uns einen nostalgischen Kiez-Krimi, der berührt, weil seine Protagonisten permanent schwanken und am Ende doch nicht in die Schmuddel-Klischees passen, die ihnen manch Vorabendserie zugedenkt. Das ist genau beobachtet und gut erzählt.

Schwierig wird es mit der Übersetzung tradierter Ganster-Mythen in unsere Gegenwart, wo Ehre und Loyalität wie Relikte aus der guten, alten Zeit daherkommen. Doch diese „goldenen Zeiten“, in denen sich die Clans noch mit Ehrfurcht beharkten, die Bullen korrumpierten und die Mädels respektierten, die gab es ja nie wirklich.

Insofern wirken Lübke und sein Kiezklüngel nur altbacken und dieser „Tatort“ wie ein Abgesang auf angeblich bessere Verhältnisse im Milieu. Was für eine Irreführung! Was für eine Verschwendung!

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD